Recherchen eines Enthüllungsjournalisten "Heiliger Crash": Vatikan angeblich kurz vor Finanzkollaps

Von dpa, kna

Franziskus bemüht sich seit seinem Amtsantritt 2013, Ordnung in die Vatikanfinanzen zu bringen. Foto: dpa/Alessandra Tarantino/APFranziskus bemüht sich seit seinem Amtsantritt 2013, Ordnung in die Vatikanfinanzen zu bringen. Foto: dpa/Alessandra Tarantino/AP

Rom. Nach Recherchen des italienischen Enthüllungsjournalisten Gianluigi Nuzzi steckt der Vatikan in dramatischen Finanznöten. Die Kirche dementiert.

Der Vatikan steckt nach den Recherchen eines italienischen Enthüllungsjournalisten in dramatischen Finanznöten. Die Zeitung "La Repubblica" veröffentlichte am Montag Auszüge aus dem neuen Buch des Autors Gianluigi Nuzzi, wonach es um den kleinsten Staat der Welt noch schlimmer bestellt ist als angenommen. "Der heilige Crash", titelte das Blatt. 

Personalausgaben sollen unkontrolliert steigen

Demnach beendete die Apsa, die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls, 2018 erstmals ein Jahr im Minus. Die Personalausgaben des Vatikans stiegen unkontrolliert, während die Einnahmen zurückgingen, hieß es. So sei das weltweite Spendenaufkommen für den sogenannten Peterspfennig im vergangenen Jahr auf 51 Millionen gesunken. 2006 waren es noch 101 Millionen. Das gewaltige Immobilienvermögen des Vatikans werde schlecht genutzt: 800 von mehr 4000 Objekten stünden leer. Der Rest werde zu 15 Prozent gratis und zu einem großen Teil unter Markwert vermietet.

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In dem Buch mit dem Titel "Giudizio Universale" ("Weltgericht") macht Nuzzi eine ungeregelte Klientelwirtschaft für das Finanzdesaster verantwortlich sowie die beständige Sabotage aller Versuche von Papst Franziskus, die Dinge zu ändern. Franziskus bemüht sich seit seinem Amtsantritt 2013, Ordnung in die Vatikanfinanzen zu bringen.

Schlagzeilen nach Zweckentfremdung von Geldern

Nuzzi hat schon mehrere Enthüllungsbücher über den Vatikan geschrieben. 2015/2016 standen er und ein weiterer Journalist im Vatikan vor Gericht, wurden aber freigesprochen. Außerdem ist der 50-Jährige an der Veröffentlichung vertraulicher Dokumente im Vatileaks-Skandal 2011 beteiligt gewesen.

Anfang Oktober hatte die Suspendierung von fünf Mitarbeitern der Kurie Schlagzeilen gemacht. Laut Medienberichten ging es dabei um die Zweckentfremdung von Geldern des Peterspfennigs, unter anderem zum Kauf einer Immobilie in London. Weil ein vertrauliches Dokument mit den Namen der Suspendierten an die Öffentlichkeit gelangte, trat der vatikanische Polizeichef Domenico Giani am 14. Oktober zurück.

Rom dementiert Gerüchte: Plus von über 22 Millionen Euro

Der Vatikan hat die Berichte über einen bevorstehenden Finanzkollaps oder eine Insolvenz inzwischen zurückgewiesen. "Das stimmt einfach nicht", sagte der Leiter der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA), Bischof Nunzio Galantino, im Interview der katholischen Tageszeitung "Avvenire" (Dienstag). Tatsächlich habe die Haushaltsführung der APSA 2018 mit einem Plus von mehr als 22 Millionen Euro abgeschlossen, so der Bischof. Die rückläufige Bilanz sei "ausschließlich auf eine außerordentliche Intervention zurückzuführen, die darauf abzielt, den Betrieb eines katholischen Krankenhauses und die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter zu retten." Im Übrigen habe die APSA auch keine geheimen oder Nummern-Konten. Weitere konkrete Zahlen nannte Galantino nicht.

Mit Blick auf angebliche Machtkämpfe oder Gegensätze zwischen Papst und Kurie sagte der APSA-Chef: "Wir alle arbeiten weiter daran, Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen, und tun damit genau das, was der Papst will." Andere Sichtweisen entsprächen eher einer Art "Da-Vinci-Code" und damit einer eher fiktiven Sicht. Der frühere Sekretär der Italienischen Bischofskonferenz Galantino war im Juni 2018 vom Papst zum Chef der wichtigen Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls ernannt.


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