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21.10.2019, 18:36 Uhr DISKUSSION UM RENTENALTER

Rente mit 70 - nicht nur eine Frage der Mathematik

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Eine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung liegt auf einem Schreibtisch. Rentner kassieren im Schnitt immer länger Altersbezüge. Grund ist die gestiegene Lebenserwartung. Zusätzlich belasten geburtenstarke Jahrgänge die Rentenkassen, weshalb Reformen notwendig sind.,Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaEine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung liegt auf einem Schreibtisch. Rentner kassieren im Schnitt immer länger Altersbezüge. Grund ist die gestiegene Lebenserwartung. Zusätzlich belasten geburtenstarke Jahrgänge die Rentenkassen, weshalb Reformen notwendig sind.,Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Osnabrück. Deutschlands Arbeitnehmer werden künftig womöglich noch länger arbeiten müssen, bevor sie in Rente gehen können. Die Bundesbank meint: Das darf angesichts der angespannten Lage der Rentenkasse kein Tabu sein. Das stimmt, allerdings geht es hier um mehr als reine Mathematik. Ein Kommentar.

Mit fast 70 noch ins Büro? Das mag ja gehen. Aber mit fast 70 Jahren noch auf den Bau oder auf die Pflegestation? Das wird in den allermeisten Fällen nicht gehen. Schon diese Beispiele zeigen: Der Streit ums richtige Rentenalter ist komplex – und keineswegs nur eine Frage für Versichungsmathematiker.

Unbestritten steht die gesetzliche Rentenversicherung vor einer gigantischen finanziellen Herausforderung. Noch sind die Kassen prall gefüllt. Doch wird sich das schon in wenigen Jahren ändern, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Einmal mehr stellt sich damit die Frage, welche Stellschrauben bewegt werden sollen. Kann das Rentenniveau weiter bei 48 Prozent stabilisiert werden? Und bleibt es bei der Grenze von höchstens 20 Prozent Beitragssatz? Oder müssen die Menschen länger arbeiten, da sie – in der Regel – länger leben und damit länger Rente beziehen?

Will man niemanden überfordern beziehungsweise im Stich lassen, werden wohl alle Möglichkeiten genutzt werden müssen, um die Rentenkassen zu stabilisieren. Allein aufs Rentenalter darf sich die Politik nicht fokussieren, denn das würde bedeuten, dass Menschen in besonders belastenden Berufen benachteiligt werden. Ihre Lebenserwartung ist sowieso schon unterdurchschnittlich. Ein höheres Rentenalter würde sie zusätzlich schwer treffen.


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