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21.10.2019, 16:39 Uhr KOMMENTAR ZU NORDSYRIEN

Putin zieht in Syrien perfekt die Fäden

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Im Syrienkonflikt zieht Kremlchef Wladimir Putin (rechts) die Fäden. Nun müssen sich auch die Kurden seinem Vasallen, dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, unterwerfen. Foto: Mikhael Klimenty/Imago Images/Zuma PressIm Syrienkonflikt zieht Kremlchef Wladimir Putin (rechts) die Fäden. Nun müssen sich auch die Kurden seinem Vasallen, dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, unterwerfen. Foto: Mikhael Klimenty/Imago Images/Zuma Press

Osnabrück. Bei der Invasion in Nordsyrien konnte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der Unterstützung seines russischen Amtskollegen Wladimir Putin sicher sein. Nun erntet der Kremlchef die Früchte seiner flexiblen Diplomatie: An Russland führt bei der Neuordnung Syriens kein Weg mehr vorbei. Ein Kommentar.

Eine „humanitäre Schutzzone“ in Nordsyrien? Gar noch unter dem Mandat der Vereinten Nationen? Mit bis zu 40.000 Soldaten aus verschiedenen Ländern der EU? Was für ein naiver Vorschlag. Eine solche UN-Schutzzone ist schon während des Jugoslawienkriegs in Kroatien, Bosnien und Herzegowina kläglich gescheitert und nichts spricht dafür, dass es in Syrien anders laufen würde. Weil die wichtigsten Entscheidungen längst gefallen sind und das Wohl der Kurden dabei keine Rolle spielte.

Denn worum geht es eigentlich? Um Einfluss in Syrien und der Region, um Öl, um Gasfelder und Häfen, ums Geldverdienen am syrischen Wiederaufbau. Donald Trump hat mit seinem Rückzug den Weg frei gemacht für Russland. Dessen Präsident Wladimir Putin hatte keine Skrupel, Assad an der Macht zu halten. Er war aber schlau genug, auch mal den Türken und mal den Kurden zu helfen. Nun müssen sich die Kurden seinem Vasallen Assad unterwerfen, der den Norden Syriens kampflos zurückbekommt.

Die Türken wiederum sind durch ihre völkerrechtswidrige Invasion isoliert. Nur Putin hatte sie dazu ermutigt, weil ihm das in die Karten spielt: Nur zu gerne würde er die Türkei aus der Nato herauslösen und diese dadurch schwächen. Den Europäern bleibt unterdessen nur die Rolle des Zuschauers und zähneknirschenden Zahlmeisters. Denn Erdogan braucht nur mit den Flüchtlingen zu drohen und Europa kuscht.


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