Unterschiedliche Meinungen in Niedersachsen Kultusministerkonferenz: Vorschlag für kürzeren Zeitraum bei Sommerferien

In welchem Zeitraum sollen in Deutschland Sommerferien sein? Die Kultusministerkonferenz berät einen Vorschlag aus Berlin und Hamburg. Foto: Patrick Pleul/dpaIn welchem Zeitraum sollen in Deutschland Sommerferien sein? Die Kultusministerkonferenz berät einen Vorschlag aus Berlin und Hamburg. Foto: Patrick Pleul/dpa

Osnabrück/Berlin. Bis Freitag beraten sich die Kultusminister der Bundesländer auf der Kultusministerkonferenz in Berlin. Unter anderem geht es dabei um eine mögliche neue Regelung der Sommerferien. Zwei betroffene niedersächsische Ministerien nehmen dazu eine gegensätzliche Haltung ein.

Die Länder Berlin und Hamburg wollen neue Regeln für die Sommerferien in Deutschland einführen. Bei der Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag und Freitag in Berlin wollen beide Länder beantragen, die freien Tage künftig zeitlich weniger zu strecken. Generell sollen die Sommerferien demnach erst ab dem 1. Juli beginnen, die unterschiedlichen Termine der Länder enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen.

Ziel sei «mehr Kontinuität» im Schuljahresablauf, sagte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres. «Vor allem Sprünge von einem späten Ferientermin auf einen frühen Ferientermin führen zu einer Verkürzung von Schuljahren.» Die derzeit geltende Regelung hat aus Sicht der SPD-Politikerin negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler, die Belastung der Lehrkräfte, «schulorganisatorische Prozesse» sowie auf den Zeitraum bei den Abschlussprüfungen.

Auch angesichts eines gemeinsamen Pools von Abituraufgaben seien teils erhebliche Schwankungen bei der Länge der Schulhalbjahre nicht mehr zeitgemäß, sagte Scheeres. «Die Ferien sollten zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen.» So könnten sich die Länder besser dem Ziel annähern, ein bundesweit vergleichbares Abitur durchzuführen. 

Kein Handlungsbedarf?

Andere Bundesländer reagierten zurückhaltend bis ablehnend auf den Vorstoß. Schleswig-Holstein sieht keinen Handlungsbedarf. «Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums.

Auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kann keine Vorteile bei der Idee erkennen. Die Zahl der Ferientage insgesamt sei einheitlich geregelt. «Natürlich erwarte ich, dass alle Länder eine gewisse Flexibilität an den Tag legen und sie sich nicht nur auf ein Wunschmodell festlegen», so Tullner.

Späte Ferien für den Süden

Bisher haben lediglich Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien. Das liegt daran, dass die beiden Länder zweiwöchige Pfingstferien haben, während die Herbst- und Winterferien auf eine Woche verkürzt sind. Bei den übrigen Ländern wechseln die Sommer-Termine permanent. So beginnen im kommenden Jahr die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern bereits am 22. Juni und enden am 1. August, in Baden-Württemberg als letztem Bundesland starten sie am 30. Juli und enden am 12. September.

Gegensätzliche Meinungen

Aus der niedersächsischen Landespolitik gibt es unterschiedliche Meinungen zu dem Thema. Das Kultusministerium wird sich auf der Konferenz auf die Seite der Berliner und Hamburger Kollegen schlagen. "Aus niedersächsischer Sicht stoßen die Vorschläge der Berliner Bildungssenatorin auf hohe Sympathien", erklärte das Ministerium auf Anfrage. Die Ferien sollten nicht vor dem 1. Juli beginnen und zwischen den Bundesländern moderat rollieren, damit die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen, heißt es aus dem Ministerium. Das Ministerium von Grant Hendrik Tonne (SPD) will dafür werben, eine "einvernehmliche Lösung" zu finden. Es gebe keinen Grund für Sonderstellungen - also auch nicht für Bayern und Baden-Württemberg. 

Das Wirtschaftsministerium sieht das anders. Die Sommerferien sind in Niedersachsen nach wir vor die stärkste Reisezeit. "Eine Verkürzung der Sommerferiendauer insgesamt würde zu deutlichen Einbußen bei der Nachfrage von Familien mit schulpflichtigen Kindern führen", heißt es auf Anfrage aus dem Ministerium. Das Wirtschaftsministerium unterstütze deshalb die Forderung der Tourismuswirtschaft, den Ferienkorridor auf 90 Tage auszuweiten. Der Zeitraum im Jahr 2020 ist 83 Tage lang.

Ein zu kurzer Zeitraum habe laut Wirtschaftsministerium wahrscheinlich auch negative Auswirkungen auf den Verkehr in Niedersachsen. Auf der A7 komme es bereits jetzt besonders an den Wochenenden immer wieder zu Staus. Die Wahrscheinlichkeit dafür würde sich bei kleineren Zeiträumen vermutlich erhöhen.

Mit einer baldigen Entscheidung über den Vorschlag aus Berlin und Hamburg wird derweil nicht gerechnet. Bis 2024 sind die Ferienzeiträume von der KMK nämlich bereits festgelegt worden. 


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