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16.10.2019, 17:01 Uhr KOMMENTAR ZUM NAHVERKEHR

Warum keine GEZ-Gebühr für Bus und Bahn?

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Schon jetzt sind die Kapazitäten von Bussen und Bahnen zu Stoßzeiten am Limit, ein Billigticket würde das Problem verschärfen – sofern nicht in die Infrastruktur investiert wird. Foto: Jan Woitas/dpaSchon jetzt sind die Kapazitäten von Bussen und Bahnen zu Stoßzeiten am Limit, ein Billigticket würde das Problem verschärfen – sofern nicht in die Infrastruktur investiert wird. Foto: Jan Woitas/dpa

Osnabrück. Einen Euro pro Tag zahlen und dafür Busse und Bahnen nutzen dürfen, die Idee hat Charme. Durch Billigtickets würde allerdings der zu Stoßzeiten jetzt schon überlastete ÖPNV vollends geflutet. Wichtiger sind mehr Mittel für den Ausbau der Infrastruktur. Ein Kommentar.

Was haben die Steuererklärung auf dem Bierdeckel und das 365-Euro-Ticket gemeinsam? Beides klingt einfach zu schön, um schön einfach zu sein. Dabei sind das absurd komplizierte deutsche Steuerrecht und der öffentliche Personennahverkehr beides echte Baustellen im Lande.

Könnte man denn nun nicht im öffentlichen Nahverkehr einfach das Tagesticket für nur einen Euro testen? In Wien klappt das doch auch ganz gut. Stimmt, aber in Wien wurde zunächst das Angebot an Bahnen und Bussen so stark ausgebaut, bis jeder Würstelstand eine eigene Haltestelle hatte, und gleichzeitig das Parken erschwert – erst danach kam das 365-Euro-Ticket. Wer nun den jetzt schon durch Schüler und Berufspendler oft überlasteten deutschen ÖPNV mit Billigtickets weiter fluten will, wird nur erreichen, dass das System vollends absäuft.

Ein wie auch immer gestaltetes Modell verbilligter Tickets für Schüler und Azubis, auf dem im Ministerium herumgedacht wird, greift mit Blick auf den Flickenteppich der Nahverkehrsanbieter in Niedersachsen sowieso viel zu kurz. Eine Lösung könnte eine zwangsweise erhobene Gebühr pro Haushalt für den ÖPNV sein – ganz egal, ob Bus und Bahn genutzt werden oder nicht. Das funktioniert bei bei Rundfunk und Fernsehen mit der GEZ schließlich auch und würde dem Nahverkehr die dringend notwendigen Mittel für den Ausbau der Infrastruktur bescheren. 


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