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11.10.2019, 15:26 Uhr KOMMENTAR ZU FRIEDENSNOBELPREIS

Abiy Ahmed ist ein Hoffnungsträger für ganz Ostafrika

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Dieses Bild dokumentiert ein historisches Ereignis: Nach jahrzehntelanger Feindschaft empfängt Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed (rechts) im November 2018 Eritreas Präsident Isaias Afwerki. Für die Aussöhnung mit dem Nachbarland ist Ahmed nun der Friedensnobelpreis verliehen worden.Foto: Eduardo Soteras/AFPDieses Bild dokumentiert ein historisches Ereignis: Nach jahrzehntelanger Feindschaft empfängt Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed (rechts) im November 2018 Eritreas Präsident Isaias Afwerki. Für die Aussöhnung mit dem Nachbarland ist Ahmed nun der Friedensnobelpreis verliehen worden.Foto: Eduardo Soteras/AFP

Osnabrück. Es bleibt 50 Jahre lang geheim, wer auf der Kandidatenliste für den Friedensnobelpreis stand. 301 Nominierte waren es in diesem Jahr, Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg wurde als heiße Anwärterin gehandelt. Ausgezeichnet wurde aber der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed – eine gute Wahl, denn die Strahlkraft des Nobelpreises beleuchtet nun eine Krisenregion, in der Ahmed ein Hoffnungsträger ist. Ein Kommentar.

Erinnert sich noch jemand an Ellen Johnson Sirleaf? Die liberianische Ökonomin und erste Frau, die in Afrika durch eine Wahl Staatsoberhaupt wurde, ist Friedensnobelpreisträgerin. Na gut, das war schon 2011. Aber wer hat den Preis im vergangenen Jahr bekommen? Na? Das war Denis Mukwege aus dem Kongo, Gynäkologe, Krankenhausgründer und Menschenrechtsaktivist. Selbst die berühmteste Auszeichnung der Welt reicht also kaum aus, um unbekannte Namen auch nur halbwegs ins kollektive Gedächtnis zu hieven.

Sollten folglich nur ohnehin schon bekannte Menschen wie Nelson Mandela, Barack Obama oder Kofi Annan mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden? Nein, gerade nicht. Die Strahlkraft des Preises leuchtet hell in Ecken der Welt, in die wir sonst kaum blicken würden. In diesem Jahr also nach Äthiopien.

Der erst 43 Jahre alte Regierungschef Abiy Ahmed ist ein Hoffnungsträger für ganz Ostafrika. Er hat die autoritäre Politik seiner Vorgänger beendet, politische Gefangene freigelassen und vor allem nach Jahrzehnten der Feindschaft Frieden geschlossen mit dem Nachbarn Eritrea. Ohne Frage also eine gute Wahl – egal, wie lange wir uns daran erinnern.

Und Greta Thunberg? Für die Klimaschutzaktivistin, die auch als Anwärterin gehandelt wurde, wäre der Preis in so jungen Jahren mehr Bürde als Würde gewesen. Und für ihre weltweite Bekanntheit braucht sie anders als Abiy Ahmed diese Auszeichnung ohnehin nicht.


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