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09.10.2019, 19:11 Uhr KOMMENTAR

Türkische Offensive in Syrien: Hoffen auf Putin

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Erdogan macht mobil: Türkische Truppen bringen sich an der Grenze zu Syrien in Stellung, der türkische Präsident hat in Nordsyrien eine Offensive gegen Kurdenmilizen angekündigt. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpaErdogan macht mobil: Türkische Truppen bringen sich an der Grenze zu Syrien in Stellung, der türkische Präsident hat in Nordsyrien eine Offensive gegen Kurdenmilizen angekündigt. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Osnabrück. Die EU hat die Türkei gemahnt, auch die Nato fordert Zurückhaltung in Syrien. Doch die Türkei lässt sich nicht beirren und startet die Offensive gegen kurdische Milizen im Nordosten des Landes, Und während die ersten Luftangriffe erfolgen, stellt sich die Frage: Wer wäre in der Lage, eine weitere Eskalation zu verhindern?

Aus Sicht des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist ein Einmarsch in Nordsyrien nicht nur logisch, sondern notwendig, sieht er doch in der dort agierenden kurdischen YPG ein Terrornetzwerk, das es zu stoppen gilt. Zugleich hofft er, einen Großteil der Syrer, die in türkischen Lagern ausharren, wieder aussiedeln zu können. Gelingt der Streich, könnte er gleich mehrere Gewinne verbuchen. Doch Erdogan spielt ein gefährliches Spiel, die Lage kann leicht eskalieren.

Den Startschuss abgefeuert hat US-Präsident Donald Trump mit seiner erratischen Twitter-Politik. Erst vor einem Jahr hatte er der YPG, Verbündete der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS, noch einen enthusiastischen Treueschwur dargebracht. Nun beordert Trump seine Truppen zurück.

Erdogan sieht seine Chance, doch er pokert hoch, denn die Offensive ist kein Selbstläufer, es drohen langwierige, blutige Kämpfe.

Und nun? Blicken alle nach Russland, mächtiger Verbündeter des Assad-Regimes in diesem komplizierten Stellvertreterkrieg. Erdogan liebt den russischen Präsidenten nicht gerade, respektiert ihn aber als starken Staatslenker. Bleibt Putin besonnen und versucht, im Hintergrund mäßigend einzuwirken, könnte er eine Eskalation verhindern.

Den Menschen in Syrien wäre es zu wünschen, denn sie sind die Leidtragenden der Ränkespiele.


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