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07.10.2019, 16:58 Uhr KOMMENTAR ZU SPD-REGIONALKONFERENZEN

Die Sehnsucht der SPD nach der Opposition

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Wer macht das Rennen um den SPD-Parteivorsitz? Die linken Vertreter scheinen bei den Regionalkonferenzen  das Herz der Basis zu erwärmen. Foto: Roland Weihrauch/dpaWer macht das Rennen um den SPD-Parteivorsitz? Die linken Vertreter scheinen bei den Regionalkonferenzen das Herz der Basis zu erwärmen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Osnabrück. Die SPD wärmt sich bei der Suche nach ihren neuen Vorsitzenden am linken Lagerfeuer, Realos wie Olaf Scholz und Boris Pistorius können bei den Regionalkonferenzen kaum punkten. Die Basis scheint sich nach der Opposition zu sehnen – vielleicht nicht die schlechteste Lösung. Ein Kommentar.

Nein, eine Nummer kleiner macht es Karl Lauterbach nicht. Der Linke mit der Fliege tönt auf den Regionalkonferenzen: „Wir sind der Tod der Großen Koalition und die Geburt der linken SPD.“ Da ist ihm der Applaus der Genossen in den Sälen sicher. Denn die SPD wärmt sich gerade bei der Suche nach ihren neuen Vorsitzenden am linken Lagerfeuer, die meisten Kandidaten pusten brav in die Glut und lassen die Funken fliegen zu den sozialdemokratischen Herzensthemen wie Vermögenssteuer, höherem Mindestlohn, Abrüstung, Klimaschutz und vor allem Raus aus der Groko und rein ins rot-rot-grüne Paradies.

Pragmatiker wie Boris Pistorius mit seinem Lied von der inneren Sicherheit haben es schwer an diesem Lagerfeuer. Er kann nur wie der knochentrockene Olaf Scholz darauf hoffen, dass die vielen linken Paare die satte linke Mehrheit so fein zersplittern, dass es für einen Realo doch noch irgendwie in die Stichwahl reicht. Ein echter Feuerkopf oder eine wahre Lichtgestalt sind also weit und breit nicht in Sicht.

War sonst noch was? Allerdings: Saskia Esken? Klara Geywitz? Petra Köpping? Kennt kein Mensch außerhalb der SPD und auch längst nicht jeder in der Partei, denn die Frauen sind nur schmückendes Beiwerk der eigentlichen Kandidaten. Je vehementer das innerhalb der Partei bestritten wird, desto deutlicher wird, wie sehr es zutrifft. 

Mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse scheint es allerdings fast egal, wer Vorturner im Willy-Brandt-Haus wird. Sicher dürfte dagegen sein, dass die Sehnsucht der Basis nach Opposition deutlich früher erfüllt wird als gedacht. Vielleicht ist das auch ganz gut so.


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