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06.10.2019, 17:13 Uhr KOMMENTAR

Nach der Messerattacke in Frankreich: Innenminister unter Druck

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Nach der Messerattacke mit fünf Toten in einer Pariser Polizeipräfektur steht der französische Innenminister Christophe Castaner unter Druck. Gwendoline Le Goff / imago images/PanoramiCNach der Messerattacke mit fünf Toten in einer Pariser Polizeipräfektur steht der französische Innenminister Christophe Castaner unter Druck. Gwendoline Le Goff / imago images/PanoramiC

Osnabrück. Die Hintergründe des blutigen Angriffs eines Mitarbeiters der französischen Polizei sollen aufgeklärt werden. Gut so, denn es stehen bange Fragen im Raum, etwa diese: Was war über die Radikalisierung des Mannes bekannt? Weil auch die Zustände in den Polizeidienststellen eine Katastrophe sind, gerät der französische Innenminister immer mehr unter Druck.

Seit Jahren erschüttert eine islamistische Terrorwelle Frankreich, doch die Messerattacke eines radikalisierten Mitarbeiters der Polizei könnte höhere Wellen schlagen als zunächst geahnt. Der Fall setzt Frankreichs Innenminister Christophe Castaner unter Druck. Wurde das Profil des Täters geschönt, um zu verbergen, dass es lange vor der Tat Hinweise auf dessen Gewaltbereitschaft gab? Eine parlamentarische Untersuchung soll das nun klären. Es könnte eng werden für Castaner.

Denn zugleich wirft der Fall ein Schlaglicht auf die französischen Sicherheitskräfte. Frankreichs Polizei gilt als chronisch überlastet. Dienststellen, wo Toiletten überlaufen und der Putz von der Decke bröselt, sind an der Tagesordnung, Hunderte, teils Tausende Überstunden der Beamten ebenso. Hinzu kommt die Belastung durch die Gelbwesten-Demos, die seit fast einem Jahr samstags stattfinden und gesichert werden müssen. All das hat dramatische Folgen: Erst im April musste Minister Castaner eilig ein Sorgentelefon für Polizisten einrichten – als Reaktion auf die erschreckend hohe Zahl an Suiziden von Beamten.

 Dass unter diesen Umständen Warnhinweise auf eine mögliche Radikalisierung eines Mitarbeiters irgendwo im System versickert sind, wäre durchaus möglich. Sollte sich das bestätigen, wäre es ein Skandal – und der Innenminister womöglich seinen Job los.


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