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Anschlag per E-Mail befürchtet Polizeigewerkschaft fordert 2000 „Cyber-Cops“

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<em>Fordert tausende neue Internetspezialisten</em> für die Polizei: der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt. Foto: dpaFordert tausende neue Internetspezialisten für die Polizei: der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt. Foto: dpa

Berlin. Kurz vor Beginn des Europäischen Polizeikongresses zur Cyber-Kriminalität hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Tausende neue Internetspezialisten für die Polizei gefordert. DPolG-Chef Rainer Wendt sagte in einem Gespräch mit unserer Zeitung: „Der nächste 11.-September-Anschlag kommt per E-Mail. Deshalb brauchen wir schnellstens mindestens 2000 Cyber-Cops.“

Bei der Internetkriminalität werde es immer wichtiger, mögliche Angriffe bereits im Vorfeld abzuwehren. „Dass Hacker-Terroristen ein AKW zur Explosion bringen, die Stromversorgung unserer Städte kappen oder Klärwerke stoppen, um die Bevölkerung zu vergiften, sind reale Bedrohungsszenarien“, sagte Wendt. Ab Dienstag debattieren Politiker und Experten – darunter der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen – auf dem 16. Europäischen Polizeikongress in Berlin über „Schutz und Sicherheit im digitalen Raum“.

Erst kürzlich hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) einen Gesetzentwurf vorgelegt, um Deutschland wirksamer gegen die steigende Zahl von Cyber-Attacken zu schützen. Noch in dieser Legislaturperiode soll eine Meldepflicht für die Betreiber sensibler Infrastruktur-Einrichtungen oder -Netze eingeführt werden.

Auch die EU-Kommission will das Internet besser vor Kriminellen schützen und widerstandsfähiger machen. Zu dieser Strategie gehört ebenfalls eine neue Meldepflicht bei schwerwiegenden Cyber-Attacken, diesmal vor allem auf Firmen bezogen. Schätzungen zufolge könnte das Melderegister weit mehr als 40000 EU-Unternehmen betreffen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist indes besorgt, dass die deutsche Wirtschaft Angriffe gegen EDV-Anlagen zunehmend nur durch private Sicherheitsunternehmen verfolgen lasse. „Der Staat darf seinen Strafverfolgungsanspruch in keinem Deliktsbereich aufgeben und sein Gewaltmonopol nicht gefährden“, sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut. „Die Polizei darf der technologischen Entwicklung nicht hinterherhinken.“

Verdeckt auf Streife

DPolG-Chef Wendt fordert, die zusätzlichen Internet-Spezialisten der Polizei sollten weniger die allgemeine Kriminalität bekämpfen, sondern im Netz vor allem gegen schwerkriminelle Hacker, Terroristen oder die Verbreitung von Kinderpornografie vorgehen. „Dazu müssen sie in einschlägigen Chatrooms auch mal als verdeckte Ermittler auf Streife gehen“, sagte Wendt. Diese Länderpolizisten müssten zur Informationsweitergabe an das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Verfassungsschutz verpflichtet werden.

Auch auf EU-Ebene wird gefordert, dass die nationalen Strafverfolgungsbehörden stärker zusammenarbeiten. Alle 27 Mitgliedstaaten sollen nationale Sicherheitszentren einrichten, um Attacken aus dem Internet vorbeugen und notfalls schnell darauf reagieren zu können. Vorbild könnte Deutschland sein: Hierzulande gibt es ein nationales Cyber-Abwehrzentrum in Bonn.


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