Kritik an Langstreckentransporten unberechtigt? Verband zu Tiertransporten: Tiere werden nicht gequält

Rinder auf einem Transporter. Foto: Ulrich Perrey/dpaRinder auf einem Transporter. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Osnabrück. Sind Langstreckentransporte von Rindern Tierquälerei? Nein, sagt der Dachverband der deutschen Züchter. Gesetzliche Vorgaben würden eingehalten. Das war zuletzt immer wieder bezweifelt worden.

Die deutschen Züchter weisen die Kritik an Langstreckenexporten von Rindern als unberechtigt zurück. Bianca Lind vom Bundesverband Rind und Schwein sagte unserer Redaktion: „Die Kritik ist übertrieben. Fakt ist: Die gesetzlichen Anforderungen werden eingehalten.“ Das gelte auch auf mehrtägigen Langstreckentransporten beispielsweise nach Asien oder Nordafrika.  

Zuletzt hatte es immer wieder Zweifel am ordnungsgemäßen Export der Tiere in Drittstaaten außerhalb der EU gegeben. So erwiesen sich Versorgungsstationen in Russland als marode oder nicht existent.

Foto: Kreis Steinburg

Die Transporte sind nun auch Thema auf der Agrarministerkonferenz in Mainz. Möglicherweise beschließen die zuständigen Ressortchefs der Länder hier Gesetzesverschärfungen. Tierschutz ist in Deutschland Sache der Bundesländer. 

Verbandschefin Lind betonte, dass bis heute keine Beweise vorgelegt worden seien, dass Export-Rinder auf Langstreckenfahrten gelitten hätten. Offenbar stecke hinter den Vorwürfen das Ansinnen, Tiertransporte grundsätzlich zu verbieten, so Lind. Sie verwies darauf, dass es auch im wirtschaftlichen Interesse ihrer Verbandsmitglieder sei, dass Tiere wohlbehalten ihr Ziel erreichten.

123.000 Zuchtrinder verkauft

Nach Angaben von Lind wurden 2018 123.000 Zuchtrinder exportiert, davon 67.000 in Länder außerhalb der EU. Hauptabnehmer war Russland mit 21.000 Tieren noch vor der Türkei mit 15.000 Tiere. Der Verkauf der Rinder ins Ausland sei eine wichtige Einnahmequelle für die deutsche Landwirtschaft, so Lind.

Zuletzt hatte der Bericht einer Gruppe von Tierärztinnen für Aufsehen gesorgt. Sie waren eine Transportstrecke nach Usbekistan, Kasachstan und Südost-Russland abgereist und hatten Versorgungsstationen für Rinder kontrolliert. Dabei stellten die Fachleute fest, dass Stationen entweder gar nicht existierten oder „völlig heruntergewirtschaftet, nicht funktional und teilweise verfallen“ seien.

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In einem Abschlussbericht kamen die Autorinnen zu dem Fazit: „Den Tieren wurden […] mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit somit systemimmanent langanhaltende und erhebliche Leiden und Schäden zugefügt.“ Niedersachsen und Schleswig-Holstein untersagten daraufhin den Transport von Rindern auf den kontrollierten Routen. Nordrhein-Westfalen zog in dieser Woche nach.  

Verbandschefin Lind verwies im Gespräch mit unserer Redaktion darauf, dass es auch andere Routen Richtung Osten gebe sowie andere Versorgungsstationen, die auch existierten. Einige Bundesländer hegen aber weiter Zweifel. Auf der Agrarministerkonferenz wollen Schleswig-Holstein und Hessen den Bund auffordern, Versorgungsstationen auch in anderen Exportländern zu überprüfenn

Lind betonte, dass ihr Verband neue Standards für den Transport von Tieren definiert habe. Gesundheitszustand der Tiere, Transportwege und ähnliches sollen digital in einer Datenbank erfasst werden. Der Verband kündigt zudem an, bei Verstößen, Mitglieder auch verbandsintern über die gesetzlichen Strafen hinaus, sanktionieren zu wollen. Dies könne bis zum Verbandsausschluss reichen.


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