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24.09.2019, 19:08 Uhr ALTE FRAKTIONSSPITZE BLEIBT

Im Machtkampf der Grünen pokerte Cem Özdemir zu hoch

Ein Kommentar von Beate Tenfelde


Cem Özdemir ist der populärste grünen-Politiker, in seiner eigenen Bundestagsfraktion konnte er sich nicht an die Spitze setzen: Foto: imago-imaginesCem Özdemir ist der populärste grünen-Politiker, in seiner eigenen Bundestagsfraktion konnte er sich nicht an die Spitze setzen: Foto: imago-imagines
dpa/Christoph Schmidt

Berlin. Die Grünen im Bundestag halten an ihrem Führungsduo fest und verweigern Ex-Parteichef Cem Özdemir das Comeback: Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und ihr Ko-Vorsitzender Anton Hofreiter wurden in Berlin gleich im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. . Göring-Eckardt sagte: "Das ist ein deutliches Signal, dass wir den Kurs der Geschlossenheit fortsetzen." Ein Kommentar.

Was nun, Cem Özdemir? Der einstige Grünen-Chef hat alles auf eine Karte gesetzt – und hat verloren. Die Bundestagsfraktion, an deren Spitze er strebte, wollte keine Experimente und hielt am alten Führungsgespann Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter fest. Das bewährte Duo entfaltet zwar weniger Strahlkraft als Özdemir, aber was soll’s? Angesichts des leicht abflauenden Stimmungshochs der Grünen waren den Bundestagsabgeordneten Geschlossenheit und Ruhe wichtiger. 

Denn das ist sicher: Özdemir hätte die 67 Parlamentarier aufgemischt, sie zu mehr Leistungen herausgefordert, um die Grünen auf die Übernahme von Regierungsverantwortung vorzubereiten. Der 53-Jährige will die Macht – und hätte sich im Fall eines Sieges bei der Fraktionswahl als Ministeranwärter in eine Top-Position gebracht. Aber genau dieser Ehrgeiz hätte alte Flügelkämpfe zwischen Realos und Fundis wieder aufbrechen lassen. Zu riskant für die inzwischen harmoniesüchtigen Grünen.

Göring-Eckardt, der Langweiligkeit attestiert worden war, darf sich freuen. Die 53-Jährige düpierte mit einem 41:19-Votum ihre linke Herausforderin Kirsten Kappert-Gonther. Hofreiter dagegen siegte mit 39 zu 27 Stimmen deutlich knapper gegen Özdemir. Der ist aber keinesfalls ein „Sprengmeister“, nur weil er den Wettbewerb suchte. Die Grünen-Spitze sollte Özdemir deshalb nun eng in ihre Arbeit einbinden.


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