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24.09.2019, 13:26 Uhr KOMMENTAR

Gretas Grenzen

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Greta stößt an Grenzen. Ihre öffentlichen Auftritte sind wie zuletzt in New York von der anfänglichen Mischung aus Unbedarftheit und Bestimmtheit inzwischen weit entfernt. Foto: Spencer Platt/Getty Images/AFPGreta stößt an Grenzen. Ihre öffentlichen Auftritte sind wie zuletzt in New York von der anfänglichen Mischung aus Unbedarftheit und Bestimmtheit inzwischen weit entfernt. Foto: Spencer Platt/Getty Images/AFP

Osnabrück. Greta Thunberg hat Großes geleistet. Aber es reicht. Ihre Anhänger sollten nicht nur das Klima schützen wollen, sondern auch sie. Ein Kommentar.

Wann gab es das zuletzt? Ein Kind wird weltberühmt, trifft die Machthaber, mobilisiert Millionen Menschen, beeinflusst Milliarden. Wahnsinn. Das Phänomen Greta sucht seinesgleichen. Aber: Es reicht. Die letzten Auftritte der 16-Jährigen belegen eine Veränderung. Schon starke und reife Charaktere hat der Weg zum Ruhm aus der Bahn geworfen. Wie umgehen mit der Bewunderung? Wie mit grenzenlosem Hass? Und welcher Freund ist echt, wer nutzt einen aus?

Gretas Leben erinnert an das eines jungen Rockstars, eines Ausnahmetalents - das aber nicht weiß, wie ihm geschieht. Eine Amy Winehouse der Politik, nur noch einmal fünf Jahre jünger. Wer die Klimafrage über alles stellt, mag Greta bis zuletzt für seine Ziele benutzen wollen. Alle anderen sollten Mitleid haben und sich vor das Mädchen stellen, nicht länger dahinter.

Abzutreten mag sie als Scheitern empfinden. Aber wenn Greta so klug ist, wie sie glaubt, muss sie den Punkt erkennen, an dem sie nicht nur sich selbst schadet, sondern auch der Sache. Dann wird sie nicht mehr als ambitioniert wahrgenommen, sondern als verbissen, dann wirkt sie nicht mehr authentisch, sondern skurril, dann motiviert sie nicht mehr, sondern verstört und stößt ab. 

Greta hat Großes geleistet. Aber ihre Anhänger sollten nicht nur das Klima schützen wollen, sondern auch das Mädchen aus Schweden.

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