Forderungen des VdK Die Rentenlücke und wie man sie schließen kann

VdK-Aktion für bessere Renten: Der Sozialverband fordert eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung.  Foto: Michael Reichel/dpaVdK-Aktion für bessere Renten: Der Sozialverband fordert eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung. Foto: Michael Reichel/dpa

Osnabrück. Angesichts der deutlichen Lücke zwischen Renten von Männern und Frauen fordert der Sozialverband VdK Deutschland eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit für alle Beschäftigten.

VdK-Präsidentin Verena Bentele reagierte damit gegenüber unserer Redaktion auf eine Untersuchung der Universität Mannheim und der niederländischen Tilburg University. Danach erhalten Frauen im Schnitt 26 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer.

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Bentele betonte, Familienarbeit sei auch heute noch in erster Linie Frauenarbeit. Viele Mütter wollten gerne mehr arbeiten, um auch im Alter gut abgesichert zu sein. „Doch alle, die aktuell auf der Suche nach einem Kitaplatz sind, wissen, wie schwierig das Unterfangen ist. Letztendlich landen deswegen vor allem Frauen häufig in der Teilzeitfalle.“

Bentele forderte vor diesem Hintergrund, die Ganztagsbetreuung in Kitas schnellstmöglich auszubauen. „Zudem braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle als bisher und ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit für alle. Es kann nicht sein, dass dieses Recht abhängig ist von der Größe des jeweiligen Unternehmens. Hier besteht dringend Handlungsbedarf.“ 

Hintergrund: Kleine Unternehmen mit bis zu 45 Beschäftigten sind vom Recht auf die „Brückenteilzeit“ ausgenommen. Um diese Arbeitgeber nicht zu überfordern, gibt es für deren Beschäftigte keinen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit. Für Unternehmen von 46 bis zu 200 Mitarbeitern gilt eine Zumutbarkeitsgrenze: Hier muss pro 15 Beschäftigten nur jeweils einem Antrag auf befristete Teilzeit entsprochen werden.

Auch die Grünen bezeichneten es als „vordringlich“, die Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben und ihre Entlohnung zu verbessern. Linken-Chef Bernd Riexinger nannte es mit Blick auf häufige Frauen-Jobs „unerträglich, dass soziale Arbeit und personennahe Dienstleistungen so schlecht bezahlt werden“. Die SPD-Familienpolitikerin Leni Breymaier forderte eine Grundrente für Frauen ohne Bedürftigkeitsprüfung.

Über die bislang unveröffentlichte Studie zur geschlechtsspezifischen Rentenlücke (Gender Pension Gap) hatte die „Südddeutsche Zeitung“ berichtet. Die Untersuchung stützt sich auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. In Auftrag gegeben hat sie die Fondsgesellschaft Fidelity.

„Im Schnitt hätte eine Frau, die mit 67 in den Ruhestand geht, nach heutiger Berechnung im Monat 140 Euro weniger gesetzliche Rente als ein Mann“, erklärten die Studienautoren Alexandra Niessen-Ruenzi (Mannheim) und Christoph Schneider (Tilburg). Bei 15 Jahren Rentenbezug fehlten der Frau rund 25000 Euro.

Bei den Rentenansprüchen von Frauen und Männern gibt es der Studie zufolge bis zum Alter von 35 Jahren keinen bemerkenswerten Unterschied. Erst danach – also nach der klassischen Familiengründungsphase vieler Paare – öffnet sich die Schere: Frauen im Alter von 36 bis 45 Jahren erwerben der Studie zufolge um 15 Prozent geringere Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung als Männer. Bei den 46- bis 55-Jährigen seien es sogar 27 Prozent. Mit AFP


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