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16.09.2019, 18:55 Uhr EINSER-ABITURIENTEN

Abi leicht gemacht? Gute Noten für alle?

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Abiturprüfung in Ravensburg, Baden-Württemberg.  Foto: Felix Kästle/dpaAbiturprüfung in Ravensburg, Baden-Württemberg. Foto: Felix Kästle/dpa

Osnabrück. Der Anteil der Einser-Abiturienten ist bundesweit in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Hatte 2008 noch jeder fünfte Schulabsolvent eine Abschlussnote mit einer Eins vor dem Komma, war es 2018 bereits mehr als jeder vierte. Das macht stutzig. Und siehe da: Da stimmt was nicht. Ein Kommentar.

Was heißt das, wenn es immer mehr Einser-Abiturienten gibt? Sind die jungen Leute heute intelligenter als früher? Oder werden ihnen die guten Abschlüsse geschenkt? Sind die Prüfungen zu lax?

Die Kritik an der „Noteninflation“ ist berechtigt. Wenn mehr als jeder vierte Abgänger auf dem Zeugnis eine Eins vor dem Komma stehen hat, dann entwertet das die sehr gute Note. Zwar berechtigt sie theoretisch zur Aufnahme eines zulassungsbeschränkten Studiums. Doch mit dem Run auf diese Fächer steigt auch der Numerus Clausus. Was ist damit gewonnen?

Es bringt auch sonst nichts, Schülern etwas vorzumachen. Denn so überschätzen sie sich. Am Ende werden sie aber stets von ihren Defiziten eingeholt – in der Lehre, an der Uni, am Arbeitsplatz. Warum also nicht von Anfang an klare Kante zeigen? Sehr gute Schüler wird es auch dann geben. Und alle anderen werden besser wissen, wo sie stehen.

Bequemer ist es natürlich, so weiterzumachen wie bisher: Was nicht passt, wird passend gemacht, um nur ja keine schlechten Noten geben zu müssen. Und am Ende sind dann (fast) alle zufrieden, auf jeden Fall aber die Politiker. Schließlich sollen ja immer mehr junge Leute das Abi machen. Und es soll auch niemand unter dem ständigen Reformwirrwarr leiden. Die Lösung: gute Noten für alle.


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