TV-Debatte der Demokraten Biden, Warren oder Sanders: Wer kann Trump schlagen?

Von dpa

Bernie Sanders, Joe Biden und Elizabeth Warren (von links) liegen bisher bei den Umfragen vorne. Foto: imago images/Kevin DietschBernie Sanders, Joe Biden und Elizabeth Warren (von links) liegen bisher bei den Umfragen vorne. Foto: imago images/Kevin Dietsch

Houston. Joe Biden hat sich erneut gegen Angriffe seiner parteiinternen Mitbewerber zur Wehr setzen müssen. Bei der dritten Fernsehdebatte ging ihn einer besonders scharf an.

Bei der dritten Runde der Fernsehdebatten unter den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbern sind die drei in Umfragen Führenden erstmals aufeinandergetroffen: Ex-Vizepräsident Joe Biden lieferte sich einen intensiven Schlagabtausch mit den linken Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren, unter anderem über Pläne in der Gesundheitspolitik. Auch bei anderen Themen wurden die fundamentalen Unterschiede zwischen den progressiven Senatoren und dem gemäßigten Favoriten deutlich. Die Debatte verlief aber weit weniger konfrontativ als die vorherige: Biden war einzelnen Angriffen der Konkurrenz ausgesetzt, geriet aber weit weniger unter Druck als noch bei der zweiten Debattenrunde Ende Juli in Detroit.

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Anders als bei den vorherigen beiden Runden gab es diesmal nur einen Abend, an dem alle zehn Demokraten, die sich für die Debatte qualifiziert hatten, gemeinsam auf der Bühne standen. In Houston trafen damit alle Präsidentschaftsanwärter mit den bislang besten Chancen auf eine Kandidatur direkt aufeinander. Für Biden und Warren war es die erste Konfrontation auf der Fernsehbühne. Der Sieger des parteiinternen Auswahlverfahrens soll 2020 den republikanischen Präsidenten Donald Trump aus dem Amt drängen.

Unterschiede betonen

Während Biden in den vergangenen Wochen bei öffentlichen Auftritten geschwächelt und mit einigen Versprechern und Unsicherheiten Schlagzeilen gemacht hatte, wurde Warren zuletzt in Umfragen zusehends stärker und rückte immer näher an ihn heran. Biden, Sanders und sie sind die führende Dreier-Gruppe in Umfragen – mit einigem Abstand zu den anderen Bewerbern.

Mit Spannung war erwartet worden, ob Warren ihr erstes großes Aufeinandertreffen mit Biden für direkte Attacken nutzen würde. Die 70-Jährige verzichtete darauf jedoch und versuchte vor allem, die inhaltlichen Unterschiede zu Biden herauszustellen – unter anderem in der Gesundheitspolitik. Warren und Sanders verteidigten leidenschaftlich das Konzept von "Medicare for All", also einem Ausbau der staatlichen Krankenversicherung für alle. Biden wiederum kritisierte das als unfinanzierbar. Auch andere moderatere Demokraten sprachen sich für weniger weitgehende Änderungen aus.

"Wir haben einen Rechtsextremen im Weißen Haus"

Die Demokraten stehen generell vor der Frage, mit welchem Kurs sie bei der Präsidentschaftswahl 2020 gegen den Amtsinhaber Trump ins Rennen gehen wollen. Trump will für eine zweite Amtszeit antreten und versucht, die Demokraten als eine Truppe radikaler und gefährlicher Sozialisten darzustellen. Bei einer Rede vor Republikanern in Baltimore sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) zeitgleich zur Fernsehdebatte, die Demokraten seien "miese Politiker". Einmal an der Macht würden sie vieles von dem zerstören, was die Republikaner erreicht hätten, warnte er.

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Mehrere Demokraten warfen dem Präsidenten in Houston wiederum offen Rassismus vor. "Wir haben einen Rechtsextremen im Weißen Haus", sagte der frühere texanische Kongressabgeordnete Beto O'Rourke. Der Senator von New Jersey, Cory Booker, sagte: "Wir wissen, dass Donald Trump ein Rassist ist." Insgesamt richteten die Demokraten ihre Attacken in Houston mehr gegen Trump als gegeneinander.

Bei der zweiten Debattenrunde Ende Juli in Detroit war Biden von seinen Konkurrenten noch kollektiv attackiert worden und schwer unter Druck geraten. In Houston musste er sich gegen einzelne Angriffe zur Wehr setzen, vor allem von US-Wohnungsbauminister Julian Castro, der Biden mehrfach scharf anging. Der frühere Vize-Präsident geriet aber keineswegs so sehr in die Defensive wie beim letzten Mal.

Nur einer war besonders angriffslustig

Beim Thema Gesundheitspolitik warf Castro Biden vor, er habe seine Position bei einem Detail innerhalb von zwei Minuten komplett geändert. Castro fragte Biden, ob er etwa vergessen habe, was er zwei Minuten zuvor gesagt habe – was als Seitenhieb auf Bidens Alter zu verstehen war. Biden gehört mit 76 Jahren zu den ältesten Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten.

Auch an anderer Stelle zeigte sich Castro angriffslustig. Auf die Frage, ob er Massenabschiebungen in der Amtszeit des damaligen Präsidenten Barack Obama im Nachhinein für einen Fehler halte, sagte Biden, er sei damals Vize-Präsident und nicht Präsident gewesen. Castro warf seinem Parteikollegen daraufhin vor, er könne sich nicht einerseits für die Obama-Jahre rühmen und andererseits Fragen zu unbequemen Themen von damals ausweichen. Mit dieser Kritik war Biden bereits Ende Juli in Detroit konfrontiert gewesen.

O'Rourke, der aus El Paso in Texas kommt, wo ein Schütze Anfang August ein regelrechtes Blutbad anrichtete, hatte in Houston einen starken Moment, als er leidenschaftlich für ein Verbot von Kriegswaffen warb. Vergleichsweise blass blieb dagegen die Senatorin Kamala Harris, die in ihrer Kampagne stark losgelegt hatte, in Umfragen aber zuletzt zunehmend hinter Warren und Sanders zurückfiel.

Eigentliche Vorwahlen beginnen erst im Februar

Die Fernsehrunden bieten den Demokraten die Gelegenheit, sich vor einem nationalen Publikum zu präsentieren. Für die Teilnahme müssen sie in Umfragen und beim Spendenaufkommen bestimmte Mindestwerte vorweisen. Bei den ersten beiden Debatten in Miami und Detroit waren jeweils 20 Demokraten aufgetreten, beide Male verteilt auf zwei Abende. Für die dritte Runde galten höhere Hürden für die Teilnahme – daher waren hier nur zehn Demokraten dabei.

Die Fernsehdebatten sind Teil der Vor-Vorauswahl bei den Demokraten. Die nächste TV-Debatte steht Mitte Oktober an. Bis es so richtig losgeht, ist es aber noch lange hin: Die eigentlichen parteiinternen Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl im November 2020 festlegen, beginnen erst im Februar.


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