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12.09.2019, 17:54 Uhr KOMMENTAR

Brexiteers lassen Briten auf unverantwortliche Weise im Unklaren

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Ob sie noch etwas bewirken können? Wohl kaum. Anti-Brexit-Aktivisten demonstrieren vor dem Parlament in London. Foto: Daniel Leal-Olivas/AFPOb sie noch etwas bewirken können? Wohl kaum. Anti-Brexit-Aktivisten demonstrieren vor dem Parlament in London. Foto: Daniel Leal-Olivas/AFP

Osnabrück. Großbritanniens Johnson bestreitet die Gefahr dramatischer Folgen eines No-Deal-Brexit - obwohl eine Folgeabschätzung der Regierung das Gegenteil behauptet. Die Ignoranz der Brexiteers ist eine Gefahr für die Insel.

Seit Jahren machen die Brexiteers den Briten weiß, dass der Austritt aus der EU keine größeren Opfer fordern werde. Stehe man erstmal auf eigenen Beinen, laufe alles andere wie von selbst. Die Regierung hat bei dieser unwürdigen Inszenierung lange mitgemacht – nun musste sie auf Druck des Parlaments ihre Folgeabschätzung eines No-Deal-Brexits veröffentlichen. Und siehe da: Die Lage ist ernst.

Natürlich muss es nicht katastrophal enden. Der Nachteil von Prognosen liegt bekanntlich darin, dass sie die Zukunft betreffen. Doch der Staat hat kein Recht auf Desinformation seiner Bürger. Er hat vielmehr die Pflicht , sie vor Unbill zu schützen – und die Insel somit bestmöglich auf den Brexit vorzubereiten. Das wurde sträflich vernachlässigt. Es müsste nun also oberste Priorität sein, den Austritt ohne Abkommen zu verhindern.

Ein Ausweg könnte sein, Nordirland in der Zollunion mit der EU zu belassen, solange es nach dem Exit kein neues Handelsabkommen gibt. Die EU-Außengrenze verliefe in der Irischen See und Kontrollen fänden in Großbritannien statt. Die Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland bliebe so offen. 

Die Brexiteers haben das gescheut, wie der Teufel das Weihwasser, weil sie britische Souveränität gefährdet sahen. Besser, sie sehen das nun in anderem Licht. Die EU sollte sich damit wohl anfreunden können.


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