Ein Bild von Stefanie Witte
12.09.2019, 16:59 Uhr KOMMENTAR

EKD will Rettungsschiff kaufen: Wie sinnvoll ist das?

Ein Kommentar von Stefanie Witte


Die evangelische Kirche will sich an der Seenotrettung im Mittelmeer beteiligen. Darüber informierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Foto: epdDie evangelische Kirche will sich an der Seenotrettung im Mittelmeer beteiligen. Darüber informierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Foto: epd

Osnabrück. Es überrascht nicht, dass die evangelische Kirche ein Rettungsschiff für Flüchtlinge kaufen will. Das ist ein nächster logischer Schritt: Die EKD finanzierte schon das Aufklärungsflugzeug Moon Bird mit. Die Seenotrettung war großes Thema beim Kirchentag. Und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hatte einen Appell an die Kanzlerin formuliert. Ein Kommentar.

Nun wollen die Protestanten zusammen mit Partnern einen sechs- bis siebenstelligen Betrag investieren, um Bootsmigranten vor der libyschen Küste vor dem Ertrinken zu retten. Weil es sonst niemand macht. Das ist ehrenwert, wird aber voraussichtlich nicht viel ändern.

Der Ablauf ist in solchen Fällen stets ähnlich: Die Besatzung nimmt die Migranten auf, steuert die italienische Küste an, wird abgewiesen. Dann eskaliert die Situation so lange, bis entweder der Kapitän eigenmächtig einen Hafen ansteuert oder bis die EU-Staaten sich einmalig auf einen Verteilschlüssel geeinigt haben.

Sicher, für die Geretteten macht dieses Schiff einen lebenswichtigen Unterschied. Und vermutlich wird die Aktion der Kirche für viel Aufsehen sorgen. Letztlich dürfte das Schiff jedoch auf absehbare Zeit nur einen Einsatz fahren, weil es anschließend festgesetzt wird. Die Politik der EU dürfte es nicht entscheidend verändern. Wäre der Millionenbetrag da nicht effektiver in einem Flüchtlingslager wie Moria auf Lesbos eingesetzt?


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN