Notfallversorgung vor dem Kollaps Experten warnen Länder vor Blockade der Spahn-Reform

Die Notfallversorgung muss dringend reformiert werden, fordert die Björn-Steiger-Stiftung und stellt sich hinter die Pläne von Gesundheitsminister Spahn.
Foto: Jörg HüttenhölscherDie Notfallversorgung muss dringend reformiert werden, fordert die Björn-Steiger-Stiftung und stellt sich hinter die Pläne von Gesundheitsminister Spahn. Foto: Jörg Hüttenhölscher

Berlin. Die Björn-Steiger-Stiftung hat Länder und Kommunen davor gewarnt, die Reform der Notfallversorgung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu blockieren. "Das Rettungswesen ist längst kollabiert, weil Landespolitiker seit Jahren die notwendigen Schritte verhindern", sagte Pierre-Enric Steiger, Präsident der Stiftung.

"Viele dort klammern sich an ihre regionale Leitstelle, viele scheuen vor neuen Wegen zurück. Das ist Kirchturmpolitik auf dem Rücken der Patienten und der Beschäftigten im Rettungswesen", so Steiger im Gespräch unserer Redaktion.

Anlass für seine Kritik: Niedersachsens Landkreise, Landesinnenminister Boris Pistorius und Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (beide SPD) stemmen sich gegen die von Spahn (CDU) geplante Zentralisierung des Rettungsdienstes. Spahn will Kompetenzen von Kommunen und Ländern an den Bund übertragen und zentrale Leitstellen schaffen, über die alle Patienten gesteuert werden sollen, die die Nummern 112 oder 116117 wählen.

"Mit acht Leitstellen super aufgestellt"

"Wir unterstützen die Pläne zu einer Vereinheitlichung und Zusammenlegung des Rettungswesens voll und ganz", sagte Steiger, dessen Stiftung sich seit 50 Jahren für die Verbesserung der Notfallversorgung einsetzt. Derzeit gibt es hierzulande mehr als 200 Leitstellen, so viele wie in allen anderen EU-Ländern zusammen. "Deutschland wäre mit acht Leitstellen super aufgestellt", sagte Steiger. Diese müssten "zu hoch modernen und fachlich gut aufgestellten Dienstleistungszentren ausgebaut werden", sagte der Experte. 

Steiger nannte Österreich als Beispiel. Dort hat die Steuerung der Patienten über wenige Leitstellen dazu geführt, dass nur noch bei jedem vierten Anrufer ein Krankenwagen losgeschickt wird und die Rettungsstellen massiv entlastet werden konnten.

"Bürger rufen wegen jedem Pubs den Notarzt"

Steiger machte auch ein "überzogene Anspruchshaltung" der Gesellschaft für die Überlastung des Rettungswesens mitverantwortlich. "Die Bürger rufen wegen jedem Pubs in der Leitstelle an und wollen wegen jedem Kopfschmerz einen Notarzt haben. Das ist Realität", sagte der Präsident der Steiger-Stiftung. Das habe dazu geführt, dass die Notfallversorgung zur Lotterie geworden sei. "Ohne eine effektive Steuerung der Patienten wird es nur schlimmer", stellte er sich hinter die Spahn-Reform.


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