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Kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig macht Krebserkrankung öffentlich

Von Maximilian Matthies, dpa, Iris Leithold

Die kommissarische SPD-Parteivorsitzende Manuela Schwesig.Die kommissarische SPD-Parteivorsitzende Manuela Schwesig. 

Schwerin. Die kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig ist an Brustkrebs erkrankt. Sie legt deshalb ihr Parteiamt nieder, bleibt aber Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern. Die Politikerin ist zuversichtlich, wieder gesund zu werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat Brustkrebs und legt deswegen ihr Amt als kommissarische SPD-Chefin nieder. Das teilte sie am Dienstag in einer persönlichen Erklärung mit. Zuvor hatte die Politikerin in einer Kabinettssitzung über ihre Erkrankung informiert.

Ihr Krebs sei heilbar

Das Amt der Ministerpräsidentin und auch den SPD-Parteivorsitz in Mecklenburg-Vorpommern wolle sie aber weiter ausüben, erklärte die 45-Jährige. Schwesig ist eine von drei kommissarischen SPD-Bundesvorsitzenden. Zusammen mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel wollte sie die Partei bis zur geplanten Wahl eines Führungsduos im Dezember anführen. 

"Die gute Nachricht ist: Dieser Krebs ist heilbar. Allerdings ist dafür eine medizinische Behandlung notwendig."Manuela Schwesig

Dies werde dazu führen, dass sie in den kommenden Monaten nicht an allen Tagen öffentliche Termine wahrnehmen könne. "Allerdings ist auch klar, dass ich in den kommenden Monaten meine Kräfte auf Mecklenburg-Vorpommern, meine Gesundheit und meine Familie konzentrieren muss. Deshalb werde ich meine Parteiämter auf Bundesebene niederlegen", sagte Schwesig. 

Es sei ihr wichtig, von vorneherein offen und ehrlich mit der Diagnose umzugehen, sagte die Politikerin bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Erst am gestrigen Tag habe sie mit den Ärzten, nach mehreren Untersuchungen, eine abschließende Entscheidung über eine passende Behandlung für den Krebs besprochen. Angedacht seien medizinische, überwiegend ambulante Maßnahmen. "Viele Frauen erkranken jedes Jahr an Brustkrebs", so Schwesig. Diese Frauen würden zeigen, dass Therapie und Beruf vereinbar seien.

Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und ich werde auch diesen Kampf führen.Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern

"So etwas ist immer ein riesiger Schock", sagte Schwesig. Allerdings sei sie zuversichtlich, die Krankheit zu besiegen und verwies auf ihre Parteigenossin Kerstin Weiss. Die Landrätin von Nordwestmecklenburg war ebenfalls vor Jahren an Krebs erkrankt und wieder in ihr Amt zurückgekehrt. Es sei wichtig, betonte Schwesig, ihre Genesung auf fünf Säulen bauen zu können. Neben der eigentlichen Gesundung nehme sie auch die Verantwortung für das Land MV und ihre Familie sehr ernst. Gleichzeitig sei eine gut funktionierende Landesregierung und der Rückhalt ihrer Partei wichtig.

Im Eilzugtempo in die erste Reihe der deutschen Politik

Schwesig hatte sich in den vergangenen zehn Jahren im Eilzugtempo in die erste Reihe der deutschen Politik vorgearbeitet. Nach nur vier Jahren als Stadtvertreterin in Schwerin wurde sie 2008 – gerade 34 Jahre alt – Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns und 2013 dann Bundesfamilienministerin. Nach nur sechs Jahren Parteizugehörigkeit war Schwesig 2009 als Hoffnungsträgerin der Ost-SPD Bundesvize ihrer Partei geworden. Im Sommer 2017 gab sie ihr Ministeramt in Berlin vorzeitig auf und übernahm vom damals an Krebs erkrankten Erwin Sellering (SPD) auf dessen Wunsch das Ministerpräsidenten-Amt. 

Weiterlesen: Ministerpräsident Erwin Sellering legt seine Ämter nieder

Doch auch in ihrer neuen Funktion blieb die heute 45-Jährige bundespolitisch aktiv und trat dabei vorrangig als Fürsprecherin für die Interessen der Ostdeutschen in Erscheinung. Schwesig wurde 1974 in Frankfurt (Oder) geboren. Im Land Brandenburg verlebte sie auch ihre Kindheit, legte das Abitur ab und absolvierte ihr Studium zur Diplom-Finanzwirtin. Im Jahr 2000 zog sie nach ihrer Heirat nach Schwerin, wo sie heute mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt.

Genesungswünsche von Kollegen

Thüringens CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring sendete erste Genesungswünsche an Schwesig. "Von Herzen wünsche ich Ihnen Genesung und auf dem anstrengenden Weg dahin, Kraft und Zuversicht, ein Licht an dunklen Tagen und wenn ich das darf, Gottes reichen Segen", twitterte Mohring, der im vergangenen Jahr selbst an Krebs erkrankt war, am Dienstag.

Mohring hatte seine im vergangenen Herbst festgestellte Krebserkrankung zu Jahresbeginn öffentlich gemacht. Seine Akuttherapie ist inzwischen abgeschlossen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der an Brustkrebs erkrankten SPD-Spitzenpolitikerin Manuela Schwesig vollständige Genesung gewünscht. "Die Nachricht von Manuela Schwesigs Krebserkrankung macht mich betroffen", sagte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert. "Ich habe mit ihr telefoniert und ihr von Herzen gewünscht, dass sie wieder ganz gesund wird, dazu Kraft und Zuversicht in dieser schwierigen Zeit." 

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte sich auf Twitter:

Bestürzung bei Parteien

Der CDU-Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Vincent Kokert, wünschte Schwesig im Kampf gegen den Krebs viel Kraft, alles erdenklich Gute und Gottes Segen. "Angesichts einer solchen Nachricht muss Politik in den Hintergrund rücken."

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Krüger, drückte seine Hochachtung für den Umgang Schwesigs mit der schlimmen Nachricht aus. "Sie stellt die Anforderungen des Landes über ihre persönlichen Belange und hat angekündigt, das Amt der Ministerpräsidentin weiterzuführen." Dass sie dennoch an irgendeiner Stelle kürzer treten muss und in der Bundespartei Aufgaben abgibt, sei selbstverständlich.

Die besten Wünsche im Namen aller Fraktionsmitarbeiter und "viel Kraft und Zuversicht im Kampf gegen die Erkrankung" kamen von der Vorsitzenden der Linksfraktion, Simone Oldenburg. "Trotz aller politischer Differenzen hoffen wir, dass Frau Schwesig das Amt der Ministerpräsidentin bald wieder mit voller Kraft ausfüllen kann", erklärte David Wulff, Landesgeneralsekretär der FDP. Auch die AfD bekundete ihr Bedauern über die "tragische Krebsdiagnose" und drückte den Wunsch nach schneller und vollständiger Genesung aus. Renate Künast von den Grünen twitterte eine ermunternde Botschaft: "Liebe Manuela, viel Kraft ! Alles Gute. Renate".

Schwesig dankt für Anteilnahme

"Die Diagnose hat mich schwer getroffen", sagt Schwesig in einer Videobotschaft. Darin dankte sie den Unterstützern unter anderem mit einer Gedichtzeile von Dietrich Bonhoeffer (1906-1945): 

Brustkrebs bei Frauen

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr bekommen rund 70.000 Patientinnen nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums diese Erstdiagnose. Im Jahr 2016 starben 18.570 Frauen an der Krankheit. 
Etwa jede achte Frau erkrankt während ihres Lebens an Brustkrebs. Am größten ist das Risiko im Alter zwischen 65 und 75. Trotzdem tritt das Mammakarzinom in jüngerem Alter auf als die meisten anderen Krebsarten, erklärt das Zentrum für Krebsregisterdaten. Fast 30 Prozent der betroffenen Frauen sind bei der Diagnose jünger als 55 Jahre.
Heute sterben weniger Frauen an Brustkrebs als früher. Ein Früherkennungsprogramm bietet für Frauen ab 30 Jahren die Möglichkeit einer jährlichen Tastuntersuchung. Im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen. Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2, die vererbt werden können, steigern das Risiko. Sie spielen bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen eine Rolle.


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