Ausschreibung für Internet-Experten "Musste wirklich schmunzeln": CDU wirbt selbstironisch für Stellenangebot

Die Partei von Annegret Kramp-Karrenbauer (links) sucht Profis für Arbeit mit dem Internet. Fotos: imago images / photothek/Michael Weber, Collage NOZDie Partei von Annegret Kramp-Karrenbauer (links) sucht Profis für Arbeit mit dem Internet. Fotos: imago images / photothek/Michael Weber, Collage NOZ

Berlin. Ausnahmsweise kein Shitstorm: Die CDU hat mit einer selbstironischen Stellenanzeige auf Facebook positive Kommentare geerntet.

Mit dem Satz "Wir suchen Mitarbeiter, die sich mit diesem Internet auskennen" postete die CDU am Montag das Foto eines jahrzehntealten und kräftig eingestaubten Computers. In einer Fußnote hieß es weiter: "Wer die Stelle bekommt, darf sich das Amthor-Video zu Rezo anschauen!" 

Der CDU war seit dem im Mai veröffentlichten kritischen Video des Youtubers Rezo ein unbeholfener Umgang mit den sozialen Medien vorgeworfen worden. Unter anderem hatte die Partei eine angekündigte und bereits produzierte Video-Reaktion ihres Nachwuchspolitikers Philipp Amthor nicht veröffentlicht und stattdessen durch eine schriftliche Stellungnahme ersetzt. (Weiterlesen: "Am Uploadfilter gescheitert": Das große Warten auf Philipp Amthor)

Zuletzt hatte die Schwesterpartei CSU mit ihrer neuen Youtube-Kampagne "CSYou" einen Shitstorm ausgelöst. (Weiterlesen: "Fremdscham pur": Viel Kritik an "CSYou"-Folge – auch von Rezo)

"Tatsächlich witzig"

"Ich bin zugegeben ein bisschen überfordert, dass die CDU tatsächlich witzig sein kann", kommentierte ein Nutzer die jetzt veröffentlichte Stellenanzeige. Ein anderer schrieb: "Also die Selbstironie ist zumindest mal ein guter Anfang." Ein Nutzer gab zu: "Zugegeben ich musste wirklich schmunzeln. Meine Sympathiewerte für die CDU verbessern sich bei so viel reflektierter und kritischer Selbstironie auf jeden Fall wieder!"

Das Foto des betagten Computers wurde von den Usern ebenfalls aufgegriffen. "Darf ich meine Bewerbung auf Diskette abgeben?", fragte jemand. Ein anderer erklärt: "Ich habe bereits in meiner Jugendzeit in einem Sozialprojekt älteren Menschen den Computer näher gebracht. Wollte fragen, ob ich mit dieser Qualifikation bereits überqualifiziert bin, oder ob es trotzdem noch eurem Neuland-Niveau entspricht?"

"Nah an strafbar!"

Auf Twitter warb ein Nutzer für sich: "Ich kann Videotext", schrieb er, worauf ein anderer schroff urteilte: "Überqualifiziert." Andere Nutzer mäkeln an der Schriftart der Anzeige. "Comic Sans" gilt in den sozialen Netzwerken als absolutes Tabu. "Nah an strafbar!", betont ein Nutzer.

"Er bekommt ihn doch oder?", meint einer scherzhaft und postet ein GIF von EU-Politiker Axel Voss (CDU). Dieser hatte sich in einem Interview mit Ahnungslosigkeit beim Umgang mit dem Internet blamiert – und das obwohl er Verhandlungsführer bei der umstrittenen EU-Urheberrechtsreform war. (Weiterlesen: Europapolitiker Axel Voss nach Memes-Aussagen am Internet-Pranger)

Wer auf den Link neben der Stellenanzeige klickt, gelangt auf die Karriere-Internetseite der CDU. Dort wird ein "Social Media Video Editor" gesucht. Arbeitsplatz soll laut Annonce die Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus sein. Der Editor soll Videobeiträge erstellen und auf dem Gebiet schon Erfahrung mitbringen. Wahrlich zukunftsorientiert ist die Stelle aber nicht: Sie wird "zunächst auf zwei Jahre befristet."

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