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28.08.2019, 11:31 Uhr KOMMENTAR

Zusätzlicher Urlaubstag für Radfahrer? Ist ungerecht und hilft nicht!

Ein Kommentar von Stefanie Witte


Vielerorts fehlt es schon an gut ausgebauten Radwegen. Foto: dpaVielerorts fehlt es schon an gut ausgebauten Radwegen. Foto: dpa

Osnabrück. Das klingt kreativ und gut umsetzbar: Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, soll einen Urlaubstag bekommen. Das fordert ein Grünen-Politiker. Begründung: Der Arbeitnehmer ist weniger krank und schützt die Umwelt. Leider ist der Vorschlag eher ein Beispiel für den Fokus der Grünen auf die Großstadt als ein Beitrag zum Klimaschutz.

Denn was sollen diejenigen sagen, die ihr Auto beruflich nutzen müssen - Taxifahrer etwa? Was die, deren Gesundheit Radfahren nicht zulässt oder die Bus und Bahn nutzen, die aber ebenso Sport treiben und sich gesund ernähren? 

Und was ist eigentlich mit dem Bürger, der eine halbe Autostunde bis zum nächsten Bahnhof braucht, der jeden Tag vielleicht sogar mehrere Stunden pendelt, weil der Arbeitsplatz nun mal nicht vor der eigenen Haustür liegt? Wäre es nicht sogar gerechter, Pendler, die jede Woche Stunden in Autos und Zügen verbringen, mit Freizeit zu entlasten?

Richtig bleibt aber, dass zu viele Menschen für Wege von wenigen Kilometern das Auto nutzen, obwohl sie radeln könnten. In der Stadt und im Dorf. Zusätzliche Anreize zu schaffen, ist richtig - so wie in Aachen, wo Radfahren zum Event wird, wo die Stadt für zurückgelegte Kilometer Gutscheine, Rabatte und Unterhaltung bietet. Oder wie in Münster, wo Radwege breit und sicher sind und ein Stadtbewohner mit dem Drahtesel häufig schneller ans Ziel kommt als mit dem Auto.

Ein zusätzlicher Urlaubstag für Radfahrer würde dagegen mehr Frust bringen als Verbesserung.


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