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15.08.2019, 17:17 Uhr KOMMENTAR ZU GIFFEY UND SPD

Die Kandidaten-Suche der SPD wird zum totalen Fiasko

Ein Kommentar von Tobias Schmidt


Nimmt sich aus dem Rennen um den SPD-Vorsitz: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
Foto: Wolfgang Kumm/dpaNimmt sich aus dem Rennen um den SPD-Vorsitz: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin. Jetzt hat auch noch Franziska Giffey abgesagt. Dass sich die zupackende Familienministerin wegen der drohenden Aberkennung ihrer Doktorarbeit aus dem Rennen nimmt, ist ihr kaum anzukreiden. Mit dem potenziellen Makel einer Betrügerin für die Wiederauferstehung der SPD zu kämpfen, ist wohl zu viel verlangt.

Das ist schade. Unfassbar erscheint, dass die Freie Universität Berlin nicht in der Lage war, rechtzeitig ihr Urteil zu fällen. Bei allem Respekt vor der gebotenen wissenschaftlichen Gründlichkeit: Ein halbes Jahr hätte ausreichen müssen.

Für ihre Partei ist Giffeys Nein ein Desaster. Viele Genossen hatten Hoffnung in die 41-Jährige gesetzt. Die Suche nach einer Nachfolgerin für Andrea Nahles droht nun zum totalen Fiasko zu werden. Die Vorgabe der Pärchen-Bildung war schon ein Irrsinn. Ein Prozedere mit 23 (!) Regionalveranstaltungen zur Kandidaten-Vorstellung ist nur als gaga zu bezeichnen. Von den bisherigen Anwärtern hat niemand ansatzweise das Format, die gewaltige Herausforderung zu meistern.

Was als Versuch vermarktet wurde, die innerparteiliche Demokratie zu stärken, offenbart die völlige Mut- und Orientierungslosigkeit der ältesten Partei Deutschlands. Wenn sich nicht ganz schnell die letzten verbliebenen Hoffnungsträger aus der Deckung trauen, wenn weder Stephan Weil, noch Manuela Schwesig oder Malu Dreyer antreten, dürfte der Untergang der SPD kaum noch zu stoppen sein.


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