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15.08.2019, 16:57 Uhr KOMMENTAR

Corbyns Verzweiflungsvorstoß zum No-Deal-Brexit kommt reichlich spät

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Wagt einen umstrittenen Vorstoß: Labour-Chef Jeremy Corbyn. Foto: Victoria Jones/dpaWagt einen umstrittenen Vorstoß: Labour-Chef Jeremy Corbyn. Foto: Victoria Jones/dpa

Osnabrück. Der britische Labour-Chef Corbyn will an die Macht, um so den regellosen EU-Austritt verhindern. Das ist gut gemeint. Aber ist es auch aussichtsreich. Der Gegner von Premier Johnson könnte sich verkalkulieren.

Kommt jetzt doch noch Bewegung in die festgefahrene Brexit-Debatte? Der Vorstoß von Labour-Chef Jeremy Corbyn, Premierminister Boris Johnson per Misstrauensvotum zu stoppen, ist ein verzweifelter Versuch, den No-Deal-Brexit doch noch zu verhindern. 

Vor dem Hintergrund, dass das Parlament keinen Ausstieg ohne Vertrag will, müsste er also genügend Mitstreiter finden – eigentlich. Doch was ist noch rational auf der Insel, wenn es um den Brexit geht.

Bislang hat das Chaos regiert und einen Mann an die Spitze der Regierung gespült, der sogar damit liebäugelt, das Parlament zu umgehen, um sein Land im Zweifel auch ohne Abkommen am 31. Oktober aus der EU zu führen. Längst hat sich das politische System in die Handlungsunfähigkeit manövriert. 

Ob Corbyns Plan, als Übergangsregierungschef auf Neuwahlen und ein zweites Referendum hinzuarbeiten, den gordischen Knoten durchschlagen kann, ist mehr als fraglich.

Dass ein zweites Referendum zugunsten des Verbleibs in der EU ausginge, ist ohnehin nicht garantiert. Immerhin hätten die Briten dann aber im Wissen über die mit der Gemeinschaft ausgehandelten Bedingungen abgestimmt respektive einen No-Deal-Brexit. 

Bei einer Entscheidung von so einer Tragweite hätte der Souverän erneut das letzte Wort verdient. 


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