Ein Bild von Tobias Schmidt
14.08.2019, 16:26 Uhr KOMMENTAR ZUR PFLEGE

Die Entlastung Angehöriger ist nur ein kosmetischer Eingriff

Ein Kommentar von Tobias Schmidt


Kinder von Pflegebedürftigen werden entlastet. An den eigentlichen Problemen in der Pflege ändert das nicht viel.
Foto: Jens Kalaene/dpaKinder von Pflegebedürftigen werden entlastet. An den eigentlichen Problemen in der Pflege ändert das nicht viel. Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin. Es klingt gut und ist im Einzelfall sicher eine Erleichterung: Kinder von Pflegebedürftigen, die eine Heimunterbringung nicht selbst bezahlen können, dürfen statt 40.000 künftig 100.000 Euro pro Jahr verdienen, bevor sie sich an der Finanzierung beteiligen müssen.

Ob es sich bei dem Schritt wirklich um ein Gebot der Gerechtigkeit handelt, wie es die Bundesregierung erklärt, ist eine andere Frage. Künftig werden also Kommunen – und damit der Steuerzahler - dort einspringen müssen, wo bislang die Familie füreinander einstand. Belastet werden einmal mehr die Städte und Gemeinden mit einem hohen Anteil an Menschen im Leistungsbezug. 

An der eigentlichen Problemlage ändert das Gesetz nichts. Niemand wird davor geschützt, durch die eigene Pflegebedürftigkeit arm zu werden, wenn er oder sie auf Heimpflege angewiesen ist. Die Eigenanteile steigen seit Jahren, ohne dass die Politik reagiert. Zugleich steht die mobile Pflege, die es den meisten Familien bislang noch ermöglicht, Angehörige so lange wie irgend möglich daheim zu behalten, mancherorts vor dem Kollaps.

Vorrang vor wohlklingenden und vorwiegend kosmetischen Eingriffen sollte die Arbeit an den eigentlichen Baustellen haben: die Pflege für die Betroffenen bezahlbar zu halten und für ausreichend Fachkräfte zu sorgen, damit die ambulante Pflege stabilisiert wird und in Heimen menschenwürdig gepflegt werden kann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN