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13.08.2019, 16:48 Uhr ERST WENN DER LETZTE BAUM GERODET...

Artensterben: Wir wissen alles und ändern doch nichts

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Mehr als halbiert haben sich laut WWF die weltweiten Bestände zahlreicher Tierarten. Die gute Nachricht: Die Zahl der Gorillas in Zentral- und Ostafrika ist wieder gestiegen. Foto: imago images/ imagebroker/ Marc RasmusMehr als halbiert haben sich laut WWF die weltweiten Bestände zahlreicher Tierarten. Die gute Nachricht: Die Zahl der Gorillas in Zentral- und Ostafrika ist wieder gestiegen. Foto: imago images/ imagebroker/ Marc Rasmus

Osnabrück. Die weltweiten Bestände zahlreicher Tierarten in Wäldern haben sich laut einer Untersuchung in den vergangenen Jahrzehnten mehr als halbiert. Hauptgrund für die Entwicklung: „durch Menschen verursachter Lebensraumverlust", heißt es in der Analyse der Umweltstiftung WWF. Überraschen kann das kaum, doch Veränderung fällt schwer – uns allen. Ein Kommentar.

Es soll eine Weissagung der Cree-Indianer sein, das Mantra der Ökos aus den 80er-Jahren, das gern als Aufkleber auf dem alten Dieselkombi spazieren gefahren wurde: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Der Spruch stammt zwar nicht von den Cree, stimmt aber trotzdem. Was ist passiert in den vierzig Jahren seither? Es ist immer schlimmer geworden.

Die Arten sterben weiter (aus), der Artenschutz ebenfalls – und die Präsidenten der USA und Brasiliens, Donald Trump und Jair Bolsonaro, sind beileibe nicht die einzigen Täter. Weil immer mehr Menschen immer mehr Fleisch immer billiger konsumieren wollen, wandelt sich das Klima. Und jedes Fünftel Ertragssteigerung bezahlt die Welt mit fast zehn Prozent Artensterben, haben Forscher errechnet. Das alles ist uns allen längst sattsam bekannt und in ungezählten Resolutionen, Erklärungen und Berichten aufgeschrieben. Und was passiert? Es wird immer noch schlimmer.

Aber woran liegt das? Warum wird weiter das billige Schnitzel gekauft? Weiter der SUV gefahren? Weiter Kurzstrecke geflogen? Weiter online geshoppt? Warum führt unser ganzes Wissen nicht zu Taten? Das kann nur jeder für sich beantworten – vor jedem Einkauf, vor jeder Fahrt, vor jedem Flug und vor jeder Bestellung im Netz. Vielleicht ist es ja doch noch nicht zu spät.


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