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30.07.2019, 19:19 Uhr DEBATTE ÜBER KONSEQUENZEN

Tod auf dem Bahnhof: Jeder Sicherheitsgewinn zählt

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Passanten und Reisende haben an Gleis 7 am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main Blumen und Stofftiere zum Gedenken an den Jungen abgelegt, der am Montag zusammen mit seiner Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen worden war. Der Junge wurde dabei getötet.  Foto:epd-bild/HeikexLydingPassanten und Reisende haben an Gleis 7 am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main Blumen und Stofftiere zum Gedenken an den Jungen abgelegt, der am Montag zusammen mit seiner Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen worden war. Der Junge wurde dabei getötet. Foto:epd-bild/HeikexLyding
Heike Lyding

Osnabrück. Wie können Passagiere auf Bahnhöfen besser geschützt werden? Nach dem gewaltsamen Tod eines achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mehr Polizisten einsetzen. Andere politische Reaktionen sind dagegen maßlos. Ein Kommentar.

Der Tod kommt aus dem Hinterhalt, die Tat ist extrem grausam, und sie vollzieht sich in aller Öffentlichkeit: Attacken wie die auf dem Frankfurter Hauptbahnhof erschüttern das Sicherheitsgefühl der Menschen wie kaum ein anderes Verbrechen. Denn sie zeigen: Es kann jeden treffen, nicht mal Kinder sind sicher, wenn psychisch Gestörte, Terroristen oder andere Gewalttäter zuschlagen.  

Das heißt nicht, dass man nichts tun kann. Mehr Polizei auf öffentlichen Plätzen und zusätzliche Kontrollen können einen Beitrag leisten, Schlimmes zu verhindern – ebenso wie aufmerksame und couragierte Passanten. Jeder Sicherheitsgewinn zählt, wenn er wohl auch nur klein sein wird.

Was ganz sicher nicht hilft, ist eine überschäumende emotionale Debatte. Ja, der mutmaßliche Täter kommt aus Eritrea. Und ja, das muss auch gesagt werden, schon gar in einem solch aufwühlenden Fall. Dass Deutsche zu Schutzsuchenden im eigenen Land geworden sind, wie ein AfD-Politiker folgert, ist aber eine maßlose Übertreibung, bloße Stimmungsmache gegen Ausländer.

Keine Frage: Straffällige Asylbewerber und Flüchtlinge müssen wie jeder andere die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Es zählt aber stets der Einzelfall. Ein Generalverdacht wäre ein grundlegender Bruch mit den Prinzipien des Rechtsstaats. 


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