zuletzt aktualisiert vor

Beschlagnahmter britischer Öltanker Heiko Maas zur Eskalation am Golf: "Es geht darum, Krieg zu verhindern"

Von dpa

Der vom Iran beschlagnahmte britische Tanker "Stena Impero". Foto: AFPDer vom Iran beschlagnahmte britische Tanker "Stena Impero". Foto: AFP

Washington/BerlinTeheran. Die Festsetzung eines britischen Öltankers durch den Iran könnte zu einem gewaltsamen Konflikt führen. Großbritannien droht mit Konsequenzen. Der US-Präsident schickt Soldaten in die Region.

Die Situation am Golf sei durch Iran Verhalten "noch ernster und gefährlicher geworden" als ohnehin schon, sagte Außenminister Heiko Maas der "Bild am Sonntag". "Es geht darum, Krieg zu verhindern", sagte der SPD-Politiker. Sollte die Diplomatie scheitern und es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es "keine Gewinner, nur Verlierer", fügte er an.  

Außenminister Heiko Maas (SPD). Foto: dpa/Gregor Fischer

Im Schulterschluss mit den USA hatte Großbritannien dem Iran nach der Festsetzung des unter britischer Flagge fahrenden Öltankers "Stena Impero" mit ernsthaften Konsequenzen gedroht. Die Aktion am Freitagabend deute darauf hin, dass der Iran einen "gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens" beschreite, erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt auf Twitter. Der Tanker sei rechtswidrig in den Gewässern des Omans gestoppt worden.  

Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.  


Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien – dem Erzfeind des Irans – zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region. Trump wolle sich in der Krise eng mit der britischen Regierung abstimmen. Erst am Donnerstag hatte er erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Der ehemalige Reality-TV-Star Trump beauftragte unterdessen den republikanischen Senator Rand Paul damit, eine Aufnahme von Gesprächen mit dem Iran auszuloten. Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Diese sollen das Land von den Finanz- und Ölmärkten abschneiden.

23 Besatzungsmitglieder sitzen fest

Nachdem die deutschen Bundesregierung den Iran zur "unverzüglichen" Freigabe des beschlagnahmten Tankers aufgefordert hatte, schloss sich die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini nach Angaben eines Sprechers am Samstag an. Die 23 Besatzungsmitglieder des Öltankers "Stena Impero" waren den Umständen entsprechend wohlauf, sagte Erik Hånell, der Chef der Reederei Stena Bulk, der das Schiff gehört. Nach iranischen Angaben stammen 18 der 23 Besatzungsmitglieder der "Stena Impero" aus Indien. Drei kommen demnach aus Russland und je einer von den Philippinen und aus Lettland. 

Gespräche zwischen Iran und Großbritannien 

Der britische Außenminister telefonierte am Samstag mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif. Hunt brachte bei dem Gespräch nach eigenen Angaben seine "tiefe Enttäuschung" über die Situation zum Ausdruck. Hunt nimmt an, dass die Festsetzung eines iranischen Öltankers im britischen Gibraltar Auslöser für das jüngste Vorgehen ist. Der Tanker mit für Syrien bestimmtem Öl war Anfang Juli wegen des Verdachts auf Verstoß gegen EU-Sanktionen an die Kette gelegt worden. Am Freitag ordnete der Oberste Gerichtshof Gibraltars an, das Schiff weitere 30 Tage festzuhalten, bis zum 20. August.

Sarif erklärte auf Twitter, es sei der Iran, der im Persischen Golf und in der Straße von Hormus die Sicherheit garantiere. "Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren", so Sarif.

Großbritannien will Montag konkrete Konsequenzen verkünden 

Die britische Regierung prüft nach den Tankervorfällen in der Straße von Hormus eine "Reihe von Optionen" gegen den Iran. Das sagte Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood am Sonntag dem Nachrichtender Sky News. Der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) hatte zuvor zwei Mal über die gefährliche Situation beraten.

Außenminister Jeremy Hunt will die diplomatischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Teheran am Montag bekanntgeben. Unbestätigten Medienberichten zufolge könnte auch das Einfrieren von iranischem Vermögen eine der Möglichkeiten sein. Das Außenministerium in London wollte zunächst keine Stellungnahme dazu abgeben. Militärische Aktionen hatte Hunt bereits zuvor abgelehnt, aber er hatte im Schulterschluss mit den USA mit "ernsthaften Konsequenzen" gedroht. 

Reederei bestreitet Vorwürfe Irans

Irans Revolutionsgarden hatten den Frachter nach eigenen Angaben gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Der Tanker liegt nun im südiranischen Hafen Bandar Abbas. Die Reederei Stena Bulk teilte mit, der Tanker habe sich an alle internationalen Vorschriften gehalten. Mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern gefahren sei. Kurz nach dem ersten Zwischenfall war ein zweiter Tanker zeitweise in Richtung Iran abgedrängt und nach einer kurzen Inspektion wieder freigegeben worden.  


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN