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12.07.2019, 15:28 Uhr KOMMENTAR

Zeit für eine CO2-Steuer - aber für alle(s)

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Auch eine Klimasünde: Heizpilze finden sich nicht mehr nur vor Gaststätten, sondern immer häufiger auch in Gärten. Ein Preisaufschlag für CO2 sollte alle Sektoren umfassen, neben Industrie und Verkehr also auch Tourismus, Freizeit und Konsum. Foto: imago images/bikyAuch eine Klimasünde: Heizpilze finden sich nicht mehr nur vor Gaststätten, sondern immer häufiger auch in Gärten. Ein Preisaufschlag für CO2 sollte alle Sektoren umfassen, neben Industrie und Verkehr also auch Tourismus, Freizeit und Konsum. Foto: imago images/biky

Osnabrück. Wer hätte das gedacht: Die Wirtschaftsweisen stellen die Weisheit über die Wirtschaft und sperren sich gegen eine Belastung des Kohlendioxidausstoßes keineswegs. Die Preise dafür müssen aber alle Sektoren umfassen, nicht nur jene, die ihren Gegnern gegenwärtig nicht passen.

Realistisch betrachtet bleibt angesichts internationaler Verpflichtungen und nationaler Stimmung zur CO2-Vermeidung kaum eine Wahl außer die zwischen Marktinstrumenten, also einer Steuerung über den Preis, oder dirigistischen Schritten der Politik mitsamt eines dafür nötigen Verbots-, Kontroll- und Strafapparates.

Die Sachverständigen plädieren für die erste Variante. Das ist vernünftig. Die Politik sollte ihnen folgen, wenn sie anerkennt, dass Mobilität immer auch Freiheit bedeutet und zudem berücksichtigt, dass deren Bedingungen regional höchst verschieden und mit landesweiten Einheitsideen kaum zu gestalten sind.

Verwunderlich ist, dass die gravierenden Schieflagen in der Behandlung verschiedener Mobilitätsarten in der Diskussion weiter weitgehend ausgeklammert bleiben. Woher dieser Hass aufs Auto, woher der Anspruch, so billig wie möglich zu fliegen? Wieso ist es noch cool, das Wochenende in Barcelona zu verbringen, aber menschheitsgefährdend, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren? Wieso rückt bei einer Ölspur die Feuerwehr aus, während Flugzeuge Kerosin in der Luft ablassen dürfen? Das passt doch alles nicht zusammen.

Zu bedenken ist außerdem, dass die Strompreise in Deutschland im Vergleich bereits auf Spitzenniveau liegen. Bevor also blind an Preisschrauben gedreht wird, sollten andere Sektoren einbezogen werden – an erster Stelle der Luftverkehr, an anderer auch der Konsum oder der Flächenfraß durch immer neue Baugebiete. Klimafreundlicher wären Wiesen und Wälder. Preise für Kohlendioxid müssen alle Lebensbereiche gleichermaßen erfassen, nicht nur die, die einem gerade nicht passen oder einen nicht treffen.

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