Entschuldigung der Grünen-Chefin Merkel zittere wegen "Klimasommers" – Aufregung um Baerbock-Aussage

Von dpa, afp und lod

Annalena Baerbock hat für ihre Spekulation um Merkels Zittern um Entschuldigung gebeten. Foto: AFP/Tobias SCHWARZAnnalena Baerbock hat für ihre Spekulation um Merkels Zittern um Entschuldigung gebeten. Foto: AFP/Tobias SCHWARZ

Berlin. Die Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock führt bei der Bundespressekonferenz den Zitteranfall von Kanzlerin Angela Merkel auf den Klimawandel zurück – und entschuldigt sich später dafür.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat sich für ihre Spekulation über den Gesundheitszustand von Kanzlerin Angela Merkel entschuldigt. "Diese Äußerung war ein Fehler", schrieb sie am frühen Samstagmorgen auf Twitter. Dafür habe sie die Bundeskanzlerin um Entschuldigung gebeten. Sie habe unbedacht einen Zusammenhang hergestellt, den es nicht gebe. 

In einer Pressekonferenz hatte Baerbock am Freitag einen Zusammenhang zwischen den Zitteranfällen Merkels und dem Klimawandel hergestellt und mit Blick auf die heißen Temperaturen der vergangenen Tage gesagt: "Auch bei der Bundeskanzlerin wird deutlich, dass dieser Klimasommer gesundheitliche Auswirkungen hat."

"Das ist gründlich schief gegangen" 

Baerbock hatte weiter gesagt, sie sei selbst gerade im Irak gewesen, dort sei es 48 Grad heiß gewesen. Sollten in deutschen Städten diese Temperaturen herrschen, würde die Arbeits- und Wirtschaftsweise komplett anders bei allen sein, da es anders als im Irak keine Klimaanlagen in Büros gebe. "Dann wird jeder, wenn er eine Stunde in dieser prallen Sonne steht, zitterig werden." Deswegen müsse hier und heute gehandelt werden, weil die Klimaauswirkungen direkt angekommen seien. Baerbock fügte auf Nachfrage eines Journalisten hinzu, das Zittern sei ein Zeichen, "dass Hitze auch vor Bundeskanzlerinnen nicht Halt macht".

Nun twitterte Baerbock, Hintergrund ihrer Aussage sei die Frage eines Journalisten gewesen, "ob der Gesundheitszustand der Kanzlerin Neuwahlen noch drängender mache. Diese Frage habe ich deutlich verneinen und auf die Hitze verweisen wollen. Das ist gründlich schief gegangen." 

Auf der Pressekonferenz hatte Baerbock zusammen mit Fraktionschef Anton Hofreiter und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Sofortprogramm ihrer Partei zum Klimaschutz vorgestellt. 

"Herzlos" – So reagieren die Politiker-Kollegen 

CDU-Politiker Matthias Hauer spielte auf Twitter scherzhaft auf Verschwörungstheoretiker an: "Schon mal den Aluhut für den nächsten grünen Parteitag raussuchen."

"Auf so etwas muss man erst einmal kommen", twitterte die AfD Bayern:

FDP-Vizevorsitzender Alexander Lambsdorff schimpfte, gesundheitliche Probleme dürften auf gar keinen Fall parteipolitisch ausgeschlachtet werden:

Besonders heftige Kritik kommt von der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie bezeichnet Baerbocks Kommentar als "geschmacklos und dumm" und die Politikerin als "hochmütig, unmenschlich und herzlos".

Der innenpolitische Sprecher der SPD, Burkhard Lischka, plädiert dafür, gesundheitliche Probleme nicht zu thematisieren und stattdessen "einfach 'Gute Besserung'" zu wünschen:

Was Merkel zu ihrem zweiten öffentlichen Zitteranfall sagt

Über den Gesundheitszustand der Regierungschefin wird auch im Ausland diskutiert. Nur Stunden vor ihrem Abflug nach Japan zum G20-Gipfel konnten Millionen Menschen sehen, wie die Kanzlerin ihren zitternden Körper bei der Übergabe der Ernennungsurkunde an die neue Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) nur schwer unter Kontrolle brachte. Schon am Dienstag vergangener Woche hatte Merkel in einer ähnlichen Situation an der Seite des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen krampfartigen Zitteranfall erlitten. In Osaka wirkte die Kanzlerin beim G20-Gipfel aber fit.

Dort hat Merkel Sorgen um ihre Gesundheit zu zerstreuen versucht. Auf die Frage, ob sie wegen ihrer öffentlichen Zitterattacken einen Arzt aufgesucht habe, sagte Merkel am Samstag in Osaka: "Ich kann Ihnen so viel berichten, dass ich Ihre Frage erst einmal verstehen kann." Sie habe ansonsten "aber nichts besonderes zu berichten, mir geht es gut". Merkel fügte hinzu: "Ich bin überzeugt: So wie diese Reaktion aufgetreten ist, wird sie auch wieder vergehen."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN