Debatte über Organspende Neuer Ärztepräsident fordert Widerspruchslösung

Ein Organspendeausweis vor dem Modell eines menschlichen Torsos. 
Foto: Daniel Maurer/dpaEin Organspendeausweis vor dem Modell eines menschlichen Torsos. Foto: Daniel Maurer/dpa

Berlin. 10.000 Menschen warten auf ein Organ, weil die Bereitschaft zum Spenden gering ist. Am Mittwoch wurde im Bundestag über Wege diskutiert, das zu ändern. Der neue Ärztepräsident Klaus Reinhardt stellte sich im Gespräch mit unserer Redaktion hinter den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn zu einer sogenannten Widerspruchslösung.

„Wir als Ärzteschaft stehen definitiv zur Widerspruchslösung. Auch mit der Widerspruchslösung würde niemand gegen seinen Willen zum Organspender“, sagte Reinhardt. „Die Widerspruchslösung wäre der einzig wirksame Weg, die Spenderzahl in Deutschland bedeutend zu erhöhen.“ 

Der Gesetzentwurf von Spahn und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach würde jeden zum Spender machen, der nicht vor seinem Tod ablehnt. Kritik, dies sei ein unzulässiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Menschen, wies der Ärztepräsident zurück. „Es ist zumutbar, eine Entscheidung zu verlangen oder, wenn jemand gestorben ist, Angehörige vor diese Frage zu stellen. Einen schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte sehe ich nicht. Denn jeder bekommt die Chance, nein zu sagen", sagte Reinhardt.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat einen Gegenentwurf eingebracht. Dieser sieht vor, die Bürger bei Arztbesuchen oder Amtsterminen auf den Spendermangel hinzuweisen. Für den Präsidenten der Bundesärztekammer greift das zu kurz: Aufklärung und Gespräche mit Ärzten oder auf Bürgerämtern reichten nicht. Die Krankenkassen hätten alle ihre Mitglieder angeschrieben. „Aber diese Aktivitäten versanden meist, weil die Menschen das Thema ausblenden“, sagte Reinhardt.

„Wir haben in Deutschland im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern eine besonders niedrige Spenderrate und wir müssen Organe aus dem Ausland beziehen. Das muss sich ganz dringend ändern, denn rund 10.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ“, betonte der Ärztepräsident.

Eine bereits am 1. April in Kraft getretene Reform, nach der Kliniken die Transplantationskosten ersetzt und Transplantationsbeauftragte freigestellt werden, bezeichnete Reinhardt als „ersten wichtigen Schritt“. „Der zweite Schritt muss aber sein, die Menschen dazu zu bringen, sich mit dem Thema Organspende zu befassen und sich für oder gegen das Spenden auszusprechen.“


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