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14.06.2019, 16:47 Uhr KOMMENTAR

Die Eskalation am Golf hat ihren Ursprung in Washington

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Ein Patrouillenboot der iranischen Armee in der Straße von Hormus - dem Nadelöhr für weltweite Öllieferungen. Kommt es dort bald zur militärischen Eskalation? Foto: Atta Kenare/AFPEin Patrouillenboot der iranischen Armee in der Straße von Hormus - dem Nadelöhr für weltweite Öllieferungen. Kommt es dort bald zur militärischen Eskalation? Foto: Atta Kenare/AFP

Osnabrück. Wenn die deutschen Bürger infolge steigender Ölpreise demnächst mehr für Benzin zahlen müssen, können sie sich bei US-Präsident Donald Trump bedanken.

Denn die neuen Spannungen am Golf, die das Schmiermittel der Wirtschaft verteuern, gehen auf das Konto der USA. Hätte Washington nicht das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt, wäre es in den vergangenen Monaten gar nicht erst zur Eskalation der Ereignisse gekommen. Die Europäer hatten von Anfang an davor gewarnt.

Wenn es eines Beweises bedarf, wie nötig eine eigenständige und selbstbewusste Außenpolitik der EU zur Emanzipation von den USA ist, dann liefert der Iran-Konflikt ihn einmal mehr.

Zur Klarstellung: Für das menschenverachtende Regime im Iran gibt es eben so wenig eine Rechtfertigung wie für die Hetze der Mullahs gegen Israel. Und es ist auch keine Frage, dass Teheran mit der Unterstützung der Hisbollah, dem Stellvertreterkrieg im Jemen und der Einflussnahme im Irak zur Unruhe im Nahen und Mittleren Osten beiträgt. 

Allein – das Atomabkommen mit dem Westen bot die Möglichkeit, den Paria-Staat aus der Ausgrenzung zu holen und etwas berechenbarer zu machen. Diese Chance haben die USA mit ihrer Politik der Konfrontation verspielt. Muss es erst wieder zu einem Krieg kommen, bevor alle beteiligten Akteure zur Vernunft zurückkehren?


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