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Justizministerin gegen "Upskirting" Gesetz in Planung: Fotografieren unter den Rock soll strafbar werden

Von dpa, Viktoria Meinholz

"Upskirting" beschreibt das Fotografieren oder Filmen unter Röcke und Kleider. Meist werden die Bilder heimlich erstellt, viele Frauen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind. Symbolbild: dpa/Jane Barlow"Upskirting" beschreibt das Fotografieren oder Filmen unter Röcke und Kleider. Meist werden die Bilder heimlich erstellt, viele Frauen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind. Symbolbild: dpa/Jane Barlow

Düsseldorf. Wer Frauen unter Röcke fotografiert, kann bislang in Deutschland nicht immer bestraft werden. Das soll sich nun ändern.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht will das heimliche Fotografieren unter Röcke und Kleider per Gesetz unter Strafe stellen. "Wer Frauen und Mädchen heimlich unter den Rock fotografiert, greift massiv in ihre Intimsphäre und ihr Persönlichkeitsrecht ein", sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sogenanntes Upskirting weiterhin höchstens als Ordnungswidrigkeit zu ahnden, biete keinen effektiven Schutz und mache Tätern nicht klar, dass ihr "demütigendes und herabwürdigendes Verhalten" absolut inakzeptabel sei.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema

Was ist Upskirting?

Der englische Begriff beschreibt das Fotografieren unter Röcke und Kleider. Meist werden die Bilder heimlich erstellt, viele Frauen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind. 

Wie ist die rechtliche Situation in Deutschland?

Nach geltendem Recht sind solche Aufnahmen in der Regel nicht strafbar. Anders verhält es sich lediglich, wenn unbefugte Bilder in einer Wohnung geschossen würden und damit den "höchstpersönlichen Lebensbereich" der weiblichen Opfer verletzten. Außerdem wird das Foto zum Straftatbestand, wenn es weiterverbreitet wird, da es dann ganz eindeutig die Persönlichkeitsrechte verletzt. Ein eigener Straftatbestand würde es der Polizei erleichtern, gegen Täter vorzugehen, Personalien aufzunehmen, Platzverweise zu erteilen und Fotoapparate oder Handys zu beschlagnahmen.

Lambrecht hat sich deshalb eine Änderung des Strafgesetzbuchs vorgenommen. "Aktuell erarbeiten wir Vorschläge, wie eine solche Strafnorm aussehen kann, und wollen das zügig umsetzen", sagte sie. Mitte August hatte Rheinland-Pfalz eine entsprechende Initiative im Bundesrat in Aussicht gestellt. Zuvor hatten Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen mitgeteilt, einen Gesetzentwurf für eine Initiative der Länderkammer zum Upskirting vorzubereiten. Auch Schleswig-Holstein wollte sich daran beteiligen.

Eine bereits vor Wochen von zwei Frauen gestartete Online-Petition, die sich für ein Verbot einsetzt, hat inzwischen knapp 90.000 Unterschriften gesammelt. 

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In England und Wales ist Upskirting seit April 2019 eine Straftat. Täter müssen mit bis zu zwei Jahren Haft rechnen, Verurteilte werden außerdem als Sexualstraftäter registriert. Das neue Gesetz war von der Autorin Gina Martin in einer 18-monatigen Kampagne angestoßen worden, nachdem sie selbst ein Upskirting-Opfer geworden war. Ein Mann hatte im Jahr 2017 mit seinem Handy Fotos unter ihrem Kleid auf einem Festival im Londoner Hyde-Park gemacht. Der Fall war von der Polizei schließlich zu den Akten gelegt worden.

Während ihrer Kampagne hätten sich Hunderte von Opfern bei ihr gemeldet, berichtete die 27-Jährige britischen Medien. Schottland geht bereits seit einigen Jahren härter gegen solche Täter vor. Im britischen Nordirland gibt es noch kein entsprechendes Gesetz.

Auch in anderen Ländern wie Australien, Neuseeland, Indien oder Japan gibt es Gesetze gegen Upskirting. In Südkorea ist das Problem heimlich aufgenommener Fotos oder Videos so allgegenwärtig, dass Smartphones inzwischen nicht mehr ohne Geräusch fotografieren, sondern immer ein Klicken zu hören ist, wenn jemand auf den Auslöser drückt.


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