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13.06.2019, 17:55 Uhr KOMMENTAR

Vorsicht mit all zu schnellen Schuldzuweisungen nach Tanker-Attacken

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Tanker in Not: Was geschah im Golf von Oman? Noch sind die Hintergründe unklar. Foto: - / ISNA / AFPTanker in Not: Was geschah im Golf von Oman? Noch sind die Hintergründe unklar. Foto: - / ISNA / AFP

Osnabrück. Sind die Zwischenfälle mit zwei Tankern im Golf von Oman das, was sie scheinen? Und wer steckt dahinter? Fragen über Fragen. Klar ist: Die mutmaßlichen Angriffe zeigen wie schnell die Spannungen in eine militärische Konfrontation umschlagen könnten.

Die Fakten sind dünn: Zwei Schiffe sind beschädigt. Über Ablauf, Hintergründe und mögliche Schuldige darf spekuliert werden. Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA legen nahe, dass Teheran hinter den mutmaßlichen Attacken steckt. Oder doch nicht? Hat der Iran wirklich ein Interesse daran, einen US-Militärschlag zu provozieren? Oder zielen die Mullahs auf die Verwundbarkeit des Westens auf dem Gebiet der Ölversorgung? 


Die Vorfälle im Golf von Oman werfen vor allem Fragen auf – und wecken Zweifel an mutmaßlichen Gewissheiten. Donald Trumps Umgang mit alternativen Fakten hat viel Vertrauen in die USA zerstört. Und die Iran-Politik des US-Präsidenten zielt seit Amtsantritt auf Konfrontation. Könnten nicht also auch die USA und ihre saudischen Verbündete Zwischenfälle herbeiführen, um einen Vorwand für Militäraktionen gegen den Iran zu haben?

Angebliche Chemiewaffen rechtfertigten einst den Krieg der USA gegen Irak; gezielt führte Washington die Welt damals in die Irre. Und manch einer mag sich heute gar der „Angriffe“ auf US-Kriegsschiffe durch nordvietnamesische Schnellboote in der Bucht von Tonkin erinnern. Das war 1964 – und die USA nutzten die gezielte Falschdarstellung des Geschehens als Vorwand, in den Vietnam-Krieg einzutreten. 

Fake-News sind keine trump’sche Erfindung. Das macht sie aber nicht weniger gefährlich. 


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