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SEK in Harlesiel Mordfall Lübcke: Staatsanwaltschaft bestätigt Polizei-Einsatz auf Fähre

Von dpa und Gregory Straub

Eine Fähre vor dem Hafen von Harlesiel. Dort wurden von der Polizei zwei Schiffe auf dem Weg nach Wangerooge untersucht. Foto: dpa/Hauke-Christian DittrichEine Fähre vor dem Hafen von Harlesiel. Dort wurden von der Polizei zwei Schiffe auf dem Weg nach Wangerooge untersucht. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Kassel/Wangerooge. Ein rätselhafter Polizeieinsatz im niedersächsischen Harlesiel steht in Verbindung mit dem Mord an Walter Lübcke stehen. Das haben das Hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Kasseler Staatsanwaltschaft jetzt erstmals bestätigt.

Der Polizeieinsatz auf zwei Wangerooge-Fähren in Niedersachsen am Samstag steht im Zusammenhang mit dem Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Das haben das Hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Kasseler Staatsanwaltschaft am Dienstag erstmals bestätigt. "In diesem Zusammenhang wurde eine Person in Gewahrsam genommen und mit dem Ziel der Informationsgewinnung in das Polizeipräsidium Nordhessen nach Kassel verbracht", teilten die Behörden mit.

Mysteriöser Todesfall Lübcke: Staatsanwaltschaft mit dringendem Appell

Bei der Befragung hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Mann an der Tat beteiligt war. "Aus diesem Grund wurde die Person in den frühen Sonntagmorgenstunden wieder entlassen", erklärten die Ermittler, die keine weiteren Angaben zu dem Mann oder dem Hintergrund der Polizeiaktion machten. Mehrere Medien hatten am Wochenende über den Einsatz in Wittmund-Harlesiel (Kreis Wittmund) berichtet. Die Fähren starten dort zur Insel Wangerooge. Die zuständige Polizei Wilhelmshaven hatte nur mitgeteilt, dass der Einsatz für ein anderes Bundesland stattgefunden hatte.

Walter Lübcke wurde erschossen auf der Terrasse seines Wohnhauses gefunden. Foto: imago images / Hartenfelser

Warnung vor Spekulationen

Staatsanwaltschaft und Soko riefen nach der Befragung schriftlich dazu auf, "sich nicht an Spekulationen zu beteiligen, um nicht den Eindruck einer Vorverurteilung zu erwecken." Sie schadeten den Ermittlungen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, Andreas Thöne, erklärte zu dem Appell, es seien "arg viele Spekulationen" im Umlauf. "Das ist schon besonders." Diese Mutmaßungen brächten "unheimlich Unruhe". Sie könnten Ermittlungen erschweren und sogar zerstören.

Medienberichte, wonach sich die Ermittler sicher gewesen sein sollen, den Täter gefasst zu haben, nannte er nicht zutreffend. "Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Ermittlungslage, dass wir uns mit der Täterschaft sicher sind", sagte Thöne am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Trotz der Freilassung des Befragten könne man nicht sagen, dass die Ermittlungen wieder von vorne anfangen müssten.

Ermittlungen in verschiedene Richtungen 

"Wir haben immer betont, dass wir verschiedene Stränge verfolgen und in alle Richtungen ermitteln. Also stehen wir nicht wieder bei Null", erklärte Thöne. Die Auswertung von telefonischen Hinweisen, Fotos und Videos läuft unterdessen weiter, wie Thöne sagte. Inzwischen gingen die Ermittler knapp 200 Hinweisen nach. Ob sich darunter eine heiße Spur befindet, ist bislang unklar. "Wir ermitteln in alle Richtungen, alles andere ist Spekulation", sagte der Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes, Christoph Schulte, am Dienstag. Die mittlerweile 187 eingegangenen Hinweise würden nun abgearbeitet. Der Fall war am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy...ungelöst" vorgestellt worden.

Lübcke war in der Nacht zu Sonntag vor einer Woche gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Der Schuss war den Ermittlungen zufolge aus nächster Nähe abgegeben worden.

Die Trauerfeier für den nordhessischen Regierungspräsidenten ist für den 13. Juni in Kassel geplant. In der Martinskirche wird es einen Trauergottesdienst mit "protokollarischen Ehrenbekundungen" geben, wie eine Sprecherin der hessischen Landesregierung angekündigt hatte.


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