Kommentar Rezo-Video: Willkommen im Club, der sich Gesellschaft nennt

In der Defensive: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bei einer Stellungnahme zum millionenfach angeklickten Kritikvideo des Youtubers Rezo. Foto: WeltN24 GmbH/WELT/obsIn der Defensive: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bei einer Stellungnahme zum millionenfach angeklickten Kritikvideo des Youtubers Rezo. Foto: WeltN24 GmbH/WELT/obs

Osnabrück. Der Youtuber Rezo und seine Fans müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie nur ein Teil des Landes sind, ein Teil des Diskurses, und dass sie diesen nicht nach Belieben bestimmen dürfen. Sie sind ein Teil dieser Welt, herzlich willkommen. Sie sind nicht der Herrscher darin. Ein Kommentar.

Populismus gibt es nicht nur von rechts. Populismus grassiert auch links. Die Instrumentalisierung der „Armut“ gehört dazu, die gleichzeitig so groß wie nie sein soll, während es den Menschen besser geht als jemals zuvor. Oder wenn jemand meint, es dürfe nur eine legitime Meinung geben, nämlich die eigene, die linke. Wenn die Achsen von Grafiken so verschoben werden, dass eine Kurve möglichst dramatisch wirkt. Wenn aus der Angst ums Klima totalitäre Gedanken folgen. Oder wenn jemand behauptet, Fakten, Fakten und nochmals Fakten zu präsentieren, aber nur die nimmt, die ihm passen, weil es in Wahrheit eben doch um Meinung geht.

Das muss nicht schlimm sein. Impulse von rechts wie links zwingen zur Bewegung, zur Auseinandersetzung. Sie spiegeln Gefühle wider und sind ein wichtiger Teil des Diskurses in einer Demokratie. Es handelt sich auch nicht um eine neue Form des Journalismus – Debattenbeiträge, Plädoyers, Pro und Contras und Kommentare sind gängige und wichtige Genres. Der Youtuber Rezo hat in diesem Sinne einen beeindruckenden Punkt gemacht, indem er mit seiner fast einstündigen Tirade gegen die CDU Millionen Klicks erzielte. Rezo deckt auch Mängel und Inkonsistenzen in deren Politik auf, keine Frage. So wie sie in jeder Partei bestehen, die komplexe Lagen berücksichtigt, zumal bei der einzigen, die für sich in Anspruch nehmen kann, noch Volkspartei zu sein statt unversöhnlich für den verengten Standpunkt einer spitzen Klientel zu fechten.  

Rezo und seine Fans übersehen, dass die CDU in diesem Sinne ebenso wie das Land auf eine Erfolgsgeschichte ohne Beispiel zurückblicken kann und einen wesentlichen Teil der Haltungen in der Bevölkerung repräsentiert. Ihrerseits fühlen sie sich nicht ernstgenommen, als zu jung und unerfahren abqualifziert. Diese Opferhaltung ist selbstmitleidig und wird ihnen nicht gerecht. Sie werden sehr wohl gehört. Sie haben Kraft, sie haben Macht. Das Video zeigt es. Sie müssen aber zugleich zur Kenntnis nehmen, dass auch sie nur Teil des Landes sind, ein Teil des Diskurses, und dass sie diesen nicht nach Belieben bestimmen dürfen, ebenso wenig wie Banken oder Industrie, AfD oder Umwelthilfe, CDU oder klassische Medien. Sie sind ein Teil dieser Welt, herzlich willkommen. Sie sind nicht der Herrscher darin.

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