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19.05.2019, 18:09 Uhr REGIERUNGSKRISE IN ÖSTERREICH

Österreich: Strache-Skandal demaskiert die Populisten

Ein Kommentar von Erhard Böhmer


Gescheitert: Nach dem Skandal um das Video mit Vizekanzler Heinz-Christian Strache (rechts) will Bundeskanzler Sebastian Kurz Neuwahlen.  Foto: Roland Schlager/APA/dpaGescheitert: Nach dem Skandal um das Video mit Vizekanzler Heinz-Christian Strache (rechts) will Bundeskanzler Sebastian Kurz Neuwahlen. Foto: Roland Schlager/APA/dpa

Osnabrück.. Politisches Erdbeben in Wien: Nach dem Rücktritt von Vizekanzler und FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache wegen eines Enthüllungsvideos stehen in Österreich Neuwahlen an.

Wohin es führt, wenn jemand wie Bundeskanzler Sebastian Kurz meint, er könne Rechtspopulisten in der Regierung mit straffer Führung zähmen, zeigt sich jetzt. Der Skandal um die FPÖ und ihren Star Heinz-Christian Strache reicht weit über Österreich hinaus.

Entsetzlich, wie bereitwillig sich der FPÖ-Mann in dem Video gegenüber der vermeintlichen Oligarchen-Tochter verkaufte. Er belegte so seine Abneigung, wenn nicht gar seinen Hass, gegen kritische Medien. Damit steht der österreichische Rechtsaußen nicht allein. Töne von AfD-Politikern, Ungarns Premier Viktor Orbán, Frankreichs Marine le Pen und anderen klingen ähnlich. Strache hat die Lügenpresse-Gröler endgültig demaskiert.

Der Vorgang bestätigt all jene, die Politikern ohnehin Machtversessenheit und Egoismus unterstellen. Strache hat die Politiker-Elite insgesamt beschädigt, der Schaden für die Demokratie ist groß. Das heimlich aufgenommene Video nun als „gezieltes politisches Attentat“ abzutun ist der billige Versuch, Täter zu Opfern zu machen.

Österreich steht erneut am Scheideweg. Nicht ausgeschlossen, dass die Geschichte für Kanzler Kurz bei Neuwahlen sogar gut ausgeht. Die FPÖ hat sich selbst disqualifiziert, und eine neue Große Koalition von ÖVP und Sozialdemokraten bleibt für viele Österreicher ein Schreckgespenst. 


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