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"Do they know it's Europe?" Strache-Affäre: Böhmermanns Countdown-Ende mit Spannung erwartet

Ein Video von Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (Mitte), setzt die Regierung von Kanzler Sebastian Kurz (Rechts) unter Druck. Jan Böhmermann machte Bereits im April Andeutungen zu dem Fall. Foto: dpa/Robert Jaeger/APA, imago images / NordphotoEin Video von Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (Mitte), setzt die Regierung von Kanzler Sebastian Kurz (Rechts) unter Druck. Jan Böhmermann machte Bereits im April Andeutungen zu dem Fall. Foto: dpa/Robert Jaeger/APA, imago images / Nordphoto

Wien. Durch ein heimlich aufgenommenes Video wird Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache schwer belastet. Im Zusammenhang mit der Affäre kommt immer wieder der Name Jan Böhmermann ins Spiel. Hat der Satiriker etwas mit der Sache zu tun? Am Montag veröffentlichte er auf Twitter einen kryptischen Countdown.

Dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" ist ein Video zugespielt worden, das Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und seinen Vertrauten Johann Gudenus 2017 im Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte zeigt. Darin sprechen die Beteiligten offen über mögliche Wahlkampfmanipulation. Die oppositionelle SPÖ sprach am Freitag vom "größten Skandal" in der jüngeren Geschichte des Landes. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) soll eine weitere Zusammenarbeit mit Strache ausschließen. In einer Pressekonferenz kündigte Strache am Samstagmittag nun seinen Rücktritt an und sprach von einer "Schmutzkampagne" gegen ihn.

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Verwirrung um Böhmermann-Zitate

Im Netz ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Und schnell stand Satiriker Jan Böhmermann im Fokus. Dieser hatte bereits Mitte April in einem Video-Grußwort für die Verleihung des österreichischen Fernsehpreises "Romy" gescherzt, er hänge "gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchenvilla auf Ibiza" herum und verhandle über die Übernahme der Kronen-Zeitung. 

Zudem ließ ein kryptischer Countdown, den er am Montag veröffentlichte, vermuten, dass noch mehr kommen könnte. 

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Leila Al-Serori von der "Süddeutschen Zeitung" erklärte im ORF-Fernsehen, dass man das Video bereits vor Monaten angeboten bekommen habe. Das Material sei dann vor einigen Wochen in einem verlassenen Hotel auf USB-Sticks übergeben worden. Im SZ-Bericht heißt es weiter, dass die Existenz des Videos bereits im April wohl schon einer Reihe von Personen bekannt gewesen sei, die davon allerdings nichts von der SZ erfahren hätten. 

ZDF: Böhmermann steckt nicht hinter Strache-Video

Dass Jan Böhmermann die heiklen Aufnahmen bereits vorher gekannt hatte, bestätigte sein Manager Peter Burtz am Samstag der dpa. Er dementierte aber, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien. Da sie ihm nicht angeboten worden seien, habe er sie auch nicht abgelehnt. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, sagte Burtz. Zuvor hieß es, dass der Satiriker die Aufnahmen abgelehnt und nicht weiter an dem Fall recherchiert habe.

Das ZDF schloss gegenüber der "Bild"-Zeitung eine Beteiligung Böhmermanns oder seiner Produktionsfirma an der Herstellung des Videos aus.

Am Donnerstag wurde Böhmermann von einem Gast seiner ZDF-neo-Sendung "Neo Magazin Royale" gefragt, ob er etwas vorbereitet habe, wofür man ihn wieder hassen werde. Daraufhin sagte Böhmermann: "Das weiß man oft erst hinterher. Für mich ist es eine normale Sendung. Kann sein, dass morgen Österreich brennt. Lassen Sie sich einfach überraschen." Damit deutete er die Berichte über das Strache-Video bereits an.

Am Montag ging es ähnlich kryptisch weiter: Zunächst schrieb Böhmermann bei Twitter: "Diese Woche haben wir sogar ein kleines Special vorbereitet!!!" – und kurz darauf erschien ein Link, der auf eine Website unter dem Titel "Do they know it's Europe?" führt. Darauf zu sehen ist nichts als ein Countdown, der am Mittwochabend um 20.15 Uhr endet.

Was genau es damit auf sich hat, ist bislang nicht bekannt. Die nächste Ausgabe von Böhmermanns ZDF-neo-Sendung "Neo Magazin Royale" wird am Donnerstagabend ausgestrahlt. 

Zumindest im Quellcode sind bereits Hinweise zu Ibiza zu finden, wie ein Twitter-User herausgefunden hat: 

Erinnerung an "Varoufake"

Dabei werden Erinnerungen wach an den sogenannten "Varoufake". Zur Erinnerung: Im März 2015 konfrontierte Moderator Günter Jauch in seiner Sendung den damaligen griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis mit einem Video einer Rede, in der Varoufakis Deutschland den Stinkefinger zeigt. Der Grieche sagte, es sei eine Fälschung. In seiner ZDFneo-Sendung "Neo Magazin Royale" behauptete Böhmermann kurz nach der Jauch-Sendung, seine Redaktion hätte alles gefälscht. Das ZDF stellte anschließend klar, dass Böhmermanns Behauptung, Varoufakis' Stinkefinger-Video gefälscht zu haben, Satire sei.

Mit Material der dpa.


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