Umstrittene Ministeriums-PR 100.000 Euro Gagen für Website-Auftritte von Promis

Der kubanische Choreograf Jorge González auf einer Website des Bundesumweltministeriums.
Foto: Tobias SchmidtDer kubanische Choreograf Jorge González auf einer Website des Bundesumweltministeriums. Foto: Tobias Schmidt

Berlin. Die Öffentlichkeitsarbeit von Ministerien in den Sozial-Netzwerken gerät erneut in die Kritik. Grund sind Honorare, die Promis und YouTube-Stars für Gastauftritte auf Ministeriums-Websites erhalten haben. Die FDP zeigt sich alarmiert.

Seit 2014 gab der Bund 101.302 Euro an Honoraren, Aufwandsentschädigungen oder sonstiger Spesen für 16 Schauspieler und Influencer aus. Das geht aus einer Antwort des Bundespresseamtes auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Es bestehe die Gefahr, "dass die Grenze zwischen berechtigtem Informationsauftrag und politischer Eigenwerbung leichtfertig überschritten wird", warnte der FDP-Abgeordnete Otto Fricke.

Die 25-jährige YouTuberin Lisa Sophie Laurent erhielt laut Antwort des Bundespresseamtes 11.305 Euro - unter anderem für eine Zusammenarbeit mit dem Bundesfamilienministerium. Der kubanische Choreograf Jorge Gonzáles wurde mit 4.011 Euro honoriert, er warb in einem Video des Bundesumweltministeriums für Klimaschutz.

44.712 Euro Gage erhielt der Schauspieler Tom Wlaschiha, der für das Bundesentwicklungsministerium YouTube-Videos aus Krisenregionen drehte. Auch die YouTuberin und Moderatorin Lisa Ruhfus kassierte von dem Ministerium 10.883 Euro, wie das Bundespresseamt mitteilte.

Der Schauspieler Tom Wlaschiha dreht Videos für das Bundesentwicklungsministerium. Foto: Christoph Hardt / imago stock & people

Zwar sei es legitim, wenn Prominente und Influencer der Bundesregierung auch im Internet dabei unter die Arme griffen, gesellschaftliche Debatten anzustoßen, sagte der FDP-Haushaltsexperte Fricke. "Wenn Ministerinnen und Minister die angeblich überzeugten Unterstützer dafür bezahlen, dass sie gemeinsam mit ihnen oder aber für sie im Netz auftreten, wird es allerdings unglaubwürdig."

In den Spots ist nicht gekennzeichnet, dass es sich um durch die Bundesregierung bezahlte politische Promotion der Prominenten handelt.

Fricke forderte die Bundesregierung auf, öffentlich zu erklären, "weshalb es aus ihrer Sicht notwendig und gerechtfertigt war, dass sie etwa Lisa Sophie Laurent mehr als 10.000 Euro oder dem Rapper Eko Fresh 500 Euro für die Unterstützung der politischen Arbeit der Bundesregierung gezahlt hat und wie genau sich diese Beträge zusammensetzen". Im Sinne größtmöglicher Transparenz solle die Bundesregierung zudem zukünftig schon vorab dafür sorgen, dass bekannt und im Netz für jedermann offensichtlich sei, wenn Prominente für Auftritte auf Social Media-Kanälen der Regierung bezahlt werden - "so, wie es auch im Journalismus üblich ist."

Am Donnerstag hatte sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) kritisch über die Einrichtung von Newsrooms in Ministerien und Parteien geäußert. Er sei skeptisch, wenn Parteien und Ministerien Nachrichten selbst produzierten, sagte er der „Welt“. Das sei die Aufgabe der Medien.


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