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16.05.2019, 17:52 Uhr KOMMENTAR

Das neue Abtreibungsgesetz in Alabama verhöhnt die Frauen

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Protest: Laura Stiller verteilt Kleiderbügel während einer Demonstration gegen das neue Abtreibungsgesetz vor dem Alabama State House. Foto: Mickey Welsh/The Montgomery Advertiser/AP/dpaProtest: Laura Stiller verteilt Kleiderbügel während einer Demonstration gegen das neue Abtreibungsgesetz vor dem Alabama State House. Foto: Mickey Welsh/The Montgomery Advertiser/AP/dpa

Osnabrück. Das verschärfte Abtreibungsgesetz in Alabama entfacht die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche neu - Frauen fühlen sich in ihren Rechten verhöhnt. Sie haben allen Grund dazu.

Konservative weiße Senatoren glauben zu wissen, was gut ist für die Frauen in Alabama – dass sie nämlich selbstverständlich ein Kind auszutragen haben, dass infolge einer Vergewaltigung gezeugt wurde. Gleiches gilt im Fall von Inzest. Damit hat Alabama das härteste Gesetz zum Abbruch einer Schwangerschaft in den USA. Ein Abbruch wird quasi in jedem Stadium als Straftat geahndet. Ärzten, die abtreiben, drohen lange Haftstrafen. 

Die Empörung bei Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen ist groß. Zu recht. Was ist das für eine Gesellschaft, in der Menschen die Freiheit genießen, Waffen zu tragen, aber nicht die Freiheit am eigenen Körper. Was ist das für eine Gesellschaft, die vorgibt Leben als „Gottesgeschenk“ um alles in der Welt schützen zu wollen, in der aber die Todesstrafe so oft vollstreckt wird wie in kaum einem anderen US-Bundesstaat. Mehr Doppelmoral, mehr Niedertracht geht nicht.  

Amerikas liberaler Geist schwindet. Die Republikaner treiben die Polarisierung der US-Gesellschaft zielstrebig voran. Der konservative Umbau läuft ganz so, wie es sich der US-Präsident vorstellt.

Infolge der Besetzung von Richterposten am Höchsten Gericht auf Lebenszeit durch Donald Trump wird der antiliberale Geist auch dann noch weiterwirken, wenn der Chef im Weißen Haus längst Geschichte ist. Das ist das Fatale an Trumps Präsidentschaft.


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