Zweifel an Plan für Grundschulen Kommunen:Ganztagsbetreuung bis 2025 nicht umsetzbar

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sowie alle Kindern die gleichen Bildungschancen ermöglichen. Foto: Uwe Anspach/dpaDer Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sowie alle Kindern die gleichen Bildungschancen ermöglichen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Berlin. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hält den für 2025 angestrebten bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen so kurzfristig für nicht umsetzbar.

 „Neben der ungeklärten Frage der Finanzierung stellt auch die personelle Ausstattung ein kaum zu lösendes Problem dar“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er reagierte damit auf Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts, wonach 665.000 zusätzliche Ganztagsplätze bis 2025 benötigt würden. „Die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher geben das nicht ansatzweise her und können so schnell auch nicht aufgebaut werden“, warnte Landsberg. Im Übrigen fehle es an Bewerberinnen und Bewerbern. Die große Masse der Grundschulen biete zudem die räumlichen Voraussetzungen nicht, um eine solche Ganztagsbetreuung anzubieten, unterstrich der Vertreter des Städte- und Gemeindebunds.  

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte-und Gemeindebunds, hat Zweifel am Plan der Bundesregierung für Ganztagsbetreuung in Grundschulen. Foto:dpa

Die Investitionskosten beziffert das Institut auf rund 3,9 Milliarden Euro und die jährlichen Betriebskosten auf 2,6 Milliarden Euro. „Um den immensen und stetig wachsenden Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen zu decken und die qualitativen Ansprüche zu gewährleisten, brauchen wir deutlich mehr Geld im System“, forderte Landsberg. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Bundesbeteiligung in Höhe von zwei Milliarden Euro bis Ende 2021 reiche jedenfalls bei Weitem nicht aus. „Es ist politisch fragwürdig, einen Rechtsanspruch zu formulieren, wenn bereits heute absehbar ist, dass er kaum erfüllbar sein wird“, kritisierte Landsberg. „Auch hier gilt der Grundsatz: Nicht alles, was wünschenswert ist, ist kurzfristig umsetzbar.“

Es klafft eine Lücke

Der im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vorgesehene Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sowie alle Kindern die gleichen Bildungschancen ermöglichen. Das Jugendinstitut hatte für seine Berechnungen zunächst die Eltern nach ihren Wünschen gefragt . "Der von den Eltern genannte Bedarf an einem Ganztagsbetreuungsangebot im Grundschulalter lag im Jahr 2017 bei 71 Prozent", erklärte Studienleiter Christian Alt. Derzeit gebe es aber nur für 48 Prozent ein entsprechendes Ganztagsangebot. Bis zum Jahr 2025 müsste diese Lücke geschlossen werden. Anschließend ermittelten die Forscher, dass es in Deutschland rund 2,8 Millionen Kinder im Grundschulalter zwischen 6,5 und 10,5 Jahren gibt. Sie nahmen an, dass die Eltern ihre Kinder an fünf Tagen in der Woche je acht Stunden betreut wissen wollen. 


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