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Kritik an Feine Sahne Fischfilet und K.I.Z Verfassungsschutz erwähnt #wirsindmehr-Konzert in neuem Bericht

Mehr als 65.000 Menschen kamen am 3. September zum #wirsindmehr-Konzert nach Chemnitz. Foto: Christopher ChirviMehr als 65.000 Menschen kamen am 3. September zum #wirsindmehr-Konzert nach Chemnitz. Foto: Christopher Chirvi

Chemnitz/Dresden. Im September kamen 65.000 Menschen zum #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz zusammen, um gegen rechte Gewalt zu demonstrieren. Jetzt erwähnt der sächsische Verfassungsschutz die Veranstaltung in seinem neuen Bericht.

65.000 Menschen kamen am 3. September in Chemnitz zusammen, um friedlich gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Nun taucht die Veranstaltung im neuen sächsischen Verfassungsschutzbericht auf, wie unter anderem die "Leipziger Volkszeitung" berichtet.

Auslöser für das Konzert waren damals Ausschreitungen rechter Gruppen in der Stadt gewesen, die nach dem Tod eines 35-Jährigen auf die Straße gingen, den Hitlergruß zeigten und Migranten durch die Stadt jagten. 

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer lobte die Organisatoren

Unter dem Hashtag #wirsindmehr organisierte die lokale Band Kraftklub daraufhin das Konzert, um ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus zu setzen. Mit ihnen auf der Bühne standen unter anderem Gruppen und Musiker wie Die Toten Hosen, Casper, Marteria, K.I.Z, Trettmann und Feine Sahne Fischfilet. 


Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dankte den Organisatoren damals für ihr Engagement, die Polizei bezeichnete die Veranstaltung als "friedlich und störungsfrei". Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte im Vorfeld dafür geworben. 

Weiterlesen: Auch das ist Chemnitz: Mehr als 65.000 Menschen besuchen Konzert gegen rechts

Empörung in den sozialen Medien 

Auf Seite 191 im neuen Bericht des sächsischen Verfassungsschutzes, der am Dienstag vorgestellt wurde, heißt es nun: "Sowohl in Redebeiträgen als auch im Rahmen des Auftritts der Band Feine Sahne Fischfilet wurde das Publikum erfolgreich mit 'Alerta, alerta Antifascista!'-Rufen zu ähnlichen Rufen animiert. Die Musikgruppe K.I.Z aus Berlin dankte in ihrer Moderation der Chemnitzer Antifa und dem Schwarzen Block dafür, dass sie in der Vergangenheit die 'Arbeit der Polizei' übernommen hätten." Zudem wurde mehrmals "Nazis raus!" gerufen. Der Verfassungsschutz spricht in diesem Zusammenhang von einer "immensen Breitenwirkung". 

In den sozialen Medien sorgen diese Ausführungen vor allem für Empörung. Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping schrieb bei Twitter: "Sachsen​s Verfassungsschutz ist nicht zu retten. #WirSindMehr in Chemnitz denunziert er als extremistisch, Pegida kommt nicht mal vor."

Der Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt bezeichnet die Arbeit des Verfassungsschutzes in der "Leipziger Volkszeitung" aufgrund dieser Einstufung als "hoch problematisch". Das Landesamt für Verfassungsschutz übe "die Definitionsgewalt über politische Einstellungen aus, die als extremistisch kategorisiert werden", sagt er und fordert dessen Auflösung.  

AfD sieht sich bestätigt

Die Grünen-Politikerin Annalena Schmidt schreibt bei Twitter: "Wenn Konzerte wie #wirsindmehr im Verfassungsschutzbericht auftauchen, haben wir wohl ein noch größeres Problem als das, das ich bisher sah!"

Die AfD hingegen sieht sich durch den Bericht bestätigt. "Dass der Kampf gegen den Linksextremismus in Sachsen erst am Anfang steht, zeigt auch die Tatsache, dass 2018 über 40 linksextreme Konzerte stattfanden. Noch fühlen sich die Linksextremen sicher, weil sie Solidaritätsbekundungen von Nichtextremen bekommen", wird der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter in der "Leipziger Volkszeitung" zitiert. In einer Pressemitteilung der Partei heißt es zudem, dass diese "Hauptziel von linksextremer Gewalt" sei. Diese Aussage jedoch wird nicht im Bericht des Verfassungsschutzes bestätigt. 

Innenminister veröffentlicht Richtigstellung

Am Nachmittag veröffentlichte das Sächsisches Innenministerium eine Richtigstellung zur Debatte um das #wirsindmehr-Konzert. "Der pauschale Vorwurf, das Konzert und die Besucher seien linksextremistisch ist falsch und weise ich zurück", so Innenminister Roland Wöller (CDU). "Die Konzertveranstaltung 'Wir sind mehr' am 3. September vergangenen Jahres in Chemnitz war eine wichtige Reaktion auf die Ereignisse in der Stadt wenige Tage zuvor und das richtige Signal in einer schwierigen Zeit. Es war wichtig, ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus in Chemnitz, in Sachsen, wie insgesamt in Deutschland zu setzen. Ich danke den vielen Tausend Besuchern, die an diesem Tag in Chemnitz Haltung gezeigt haben!" 



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