Kampf gegen Altersarmut VdK fordert Reichen-Steuer und Renten-Beitragspflicht für Beamte

Mehr als 11 Millionen Menschen bleibt laut VdK in Deutschland trotz harter Arbeit nur eine Rente unterhalb des Existenzminimums.
Foto: Stephanie Pilick/dpaMehr als 11 Millionen Menschen bleibt laut VdK in Deutschland trotz harter Arbeit nur eine Rente unterhalb des Existenzminimums. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Berlin. Der Sozialverband VdK hat am Montag eine Renten-Kampagne gestartet. Das Ziel: durch Steuererhöhungen und eine Beitragspflicht für alle soll die Alterssicherung verbessert und stabilisiert werden.

80 Prozent der Bürger hätten Angst, später nicht gut von ihrer Rente leben zu können, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele in Berlin. "Es ist höchste Zeit für die Wende. Wir werden dafür kämpfen, dass keine Rentnerin mit 74 Jahren putzen gehen muss!" 

Die Altersarmut habe deutlich zugenommen und das Vertrauen der Menschen in die gesetzliche Rente schmelze dahin, warnt der VdK. Die 80-jährige Rentnerin Ingrid Grundmann aus Schwerin berichtete beispielhaft: Die Großmutter arbeitete lange Jahre im Unternehmen ihres Mannes, von dem sie sich später trennte, war danach 20 Jahre lang als Sekretärin in einem Krankenhaus angestellt. 

Inklusive einer winzigen Betriebsrente habe sie aber nur Renteneinkünfte von rund 600 Euro. Weil ihre Wohnung mit 51,5 Quadratmetern 6,5 Quadratmeter "zu groß" sei, falle sie aus der Grundsicherung und erhalte nur noch Wohngeld von maximal 133 Euro, berichtete Grundmann und kämpfte gegen die Tränen. "Wie soll ich davon überleben."

Kein Einzelfall, beklagte Bentele. 1,8 Millionen Rentner müssten im Schnitt mit 790 Euro an Altersbezügen über die Runden kommen. "Am Ende des Monats können viele nur noch Dosen-Ravioli essen, oder gar nichts." Mehr als elf Millionen Menschen hätten trotz harter Arbeit nur Rentenbezüge unterhalb des Existenzminimus.

Mit einem Forderungskatalog macht der VdK Druck auf die von der Großen Koalition eingesetzte Rentenkommission. Zu den Forderungen gehört, dass die rund eine Million Beamte, Selbstständige und Politiker, die derzeit keine Beiträge leisten, in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Eine Vermögenssteuer und höhere Erbschaftssteuern sollen 20 Milliarden Euro einbringen. Auch ein höherer Arbeitgeberbeitrag dürfe "kein Tabu sein", betonte Bentele. Und ein Mindestlohn von 12,80 Euro sei notwendig, damit auch Geringverdiener nicht unter des Existenzminimum rutschten.

Eine massive Umverteilung und ein Rentenniveau von 50 Prozent: Mit seiner Kampagne greift der VdK zahlreiche Forderungen der Linkspartei auf. Im Streit zwischen Union und SPD über eine Grundrente stellt sich der Verband hinter die Genossen: Eine Bedürftigkeitsprüfung, wie sie CDU und CSU fordern, "darf es nicht geben", sagte Bentele. Diese Botschaft werde der VdK in den kommenden Monaten "in die Welt hinausschreien".


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