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05.05.2019, 15:02 Uhr KOMMENTAR ZU BREXIT

Setzt die Briten endlich vor die Tür

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Die Stimmen der Kommunalwahl in Großbritannien - hier in Belfast - sind ausgezählt, die beiden größten Parteien abgestraft. Doch an den Mehrheitsverhältnissen im Parlament, wohl auch nicht für die zähen Brexit-Verhandlungen. Foto: Rebecca Black/PA Wire/dpaDie Stimmen der Kommunalwahl in Großbritannien - hier in Belfast - sind ausgezählt, die beiden größten Parteien abgestraft. Doch an den Mehrheitsverhältnissen im Parlament, wohl auch nicht für die zähen Brexit-Verhandlungen. Foto: Rebecca Black/PA Wire/dpa

Osnabrück. Plötzlich also doch eine Zollunion: Nach der Niederlage der Konservativen macht Großbritanniens Premierministerin Theresa May einen Schritt auf die oppositionelle Labour-Partei zu. Doch was nach einem Kompromissangebot aussieht, ist ein vergiftetes Geschenk. Und das Drama um den Brexit geht weiter. Ein Kommentar.

Der britische Humor mit seiner Freude am Absurden ist berühmt – je schräger, desto besser. Aber bei dem Trauerspiel, das die beiden großen Parteien auf der Insel rund um den Brexit aufführen, hört so langsam auch für den schwärzesten britischen Humor der Spaß auf. Der neueste Winkelzug der Premierministerin, ihren Gegnern von Labour einen Kompromiss lediglich deshalb anzubieten, um die Gegner in den eigenen konservativen Reihen zu ärgern, ist nur eine weitere Überdrehung der Geduldsschraube.

Es ist leider nicht so einfach, wie es nach den Kommunalwahlen scheint. Dort haben auf den ersten Blick die Konservativen mit ihrem harten Brexit-Kurs schwer auf die Mütze bekommen, während die Liberaldemokraten mit ihrem Pro-EU-Kurs erfolgreich waren. Würden die Briten nun also bei einem neuen Referendum in Scharen gegen den Brexit stimmen? Nein, das würden sie nicht. Denn bei den Kommunalwahlen sind die alten Parteien zwar abgestraft worden, doch die neue Brexit-Partei von Nigel Farage trat noch ebenso wenig an wie ChangeUK, die neue Partei aus ehemaligen Labour- und Tory-Abgeordneten mit ihrem Werben für den Verbleib in der EU. Ein neues Referendum würde nur die alte Spaltung unter neuen Namen erbringen.

Zudem haben die Kommunalwahlen an den Mehrheiten im Unterhaus nichts geändert. Hier müssten die alten Parteien nun eigentlich an einem Kompromiss arbeiten, um bei der ungeliebten Europawahl nicht unterzugehen. Das aber wird nicht passieren, weil keine Partei der anderen auch nur den winzigsten Erfolg gönnt. Also wird es bis zum nächsten Brexit-Datum Ende Oktober beim kompletten Stillstand bleiben. Und dann kippen die Briten ihren Scherbenhaufen erneut vor die Tür der EU – es sei denn, diese findet vorher einen Weg, den zerstrittenen Briten die Tür zuzuschlagen. Endgültig.


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