Mit dem Fahrrad zur Arbeit Auto-Bevorzugung beenden: So will der ADFC mehr Menschen aufs Rad kriegen

Einige Städte hätten sich nach Ansicht des ADFC bereits auf einen guten Weg gemacht, fahrradfreundlich zu werden. Foto: dpa/Arne DedertEinige Städte hätten sich nach Ansicht des ADFC bereits auf einen guten Weg gemacht, fahrradfreundlich zu werden. Foto: dpa/Arne Dedert
dpa/Arne Dedert

Hamburg . Mit der entsprechenden Infrastruktur könnte man den Fahrradanteil am Gesamtverkehr in Deutschland laut ADFC mehr als verdoppeln. Der Fahrrad-Club fordert deswegen: "Wir brauchen doppelt so viel Platz für die gesunde und klimafreundliche Zweiradmobilität."

Lediglich vier Millionen Menschen sind 2016 in Deutschland mit dem Fahrrad zur Arbeit gependelt. Mit einer besseren Infrastruktur wäre diese Zahl mehr als doppelt so hoch, ist sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) sicher. 

Niederlande und Dänemark als Vorbild

"Unsere Einschätzung, dass man den Fahrradanteil am Gesamtverkehr durch entsprechende Investitionen in die Rad-Infrastruktur von 11 auf 25 Prozent bis 2030 mehr als verdoppeln kann, wird von den Experten der Verkehrskommission des Bundes und vom Bundesverkehrsministerium selbst geteilt", sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone auf Anfrage. Tatsächlich werden in Deutschland laut Bundesverkehrsministerium (BMVI) nur vergleichsweise wenige Wege mit dem Fahrrad erledigt. In Dänemark beispielsweise beträgt der Radverkehrsanteil 18 Prozent, in den Niederlanden sogar fast 30 Prozent. "Die Niederlande – mit dem weltweit am besten ausgebauten Radwegenetz – machen vor, was möglich ist", sagt Krone. 

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Wie man das ändern könnte? "Konkret brauchen wir ein großes bundesweites Investitionsprogramm von mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr in gute, durchgängige Radwegenetze, übersichtlich gestaltete Kreuzungen und sichere Fahrradparkplätze an allen Gebäuden", so Krone. Außerdem müssten Straßenverkehrsgesetz und Straßenverkehrsordnung nach Ansicht des ADFC fahrradfreundlich novelliert werden. "Die rechtliche Bevorzugung des Autos – so wie sie in den Gesetzen und Verordnungen bisher vorherrschen – macht die Straßen für Radfahrende und Fußgänger unsicher, das muss sich schnellstens ändern. Wir legen dazu in Kürze einen Gesetzesvorschlag vor." 

ADFC: "Jetzt muss richtig geklotzt werden"

Der Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) sieht bereits vor, die Nutzung des Fahrrades in Deutschland zu steigern – in der Stadt ebenso wie im ländlichen Raum. 2019 stellt das BMVI dem Bund, Ländern, Städten und Gemeinden dafür etwa 155 Millionen Euro bereit. 98 Millionen Euro daraus sollen für den Radwegebau an Bundesstraßen verwendet werden, weitere 25 Millionen Euro stehen für die Förderung von Radschnellwegen bereit. 

Einige Städte hätten sich nach Ansicht des ADFC bereits auf einen guten Weg gemacht, fahrradfreundlich zu werden – dazu gehörten beispielsweise Karlsruhe, Göttingen, Nordhorn. "Auch die Millionenstädte – Berlin, Hamburg, München und andere – beginnen zaghaft, Platz zugunsten des Fahrrads umzuverteilen. Aber das geht in Deutschland bisher viel zu langsam voran", sagt Krone. "Die drängenden Probleme beim Verkehr und beim Klima können wir nicht mit Trippelschrittchen erreichen, jetzt muss richtig geklotzt werden. Wir brauchen doppelt so viel Platz für die gesunde und klimafreundliche Zweiradmobilität, dann macht man es den Menschen leicht, das Rad zu wählen."

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Am Dienstag haben ADFC und AOK gemeinsam zum 19. Mal im Rahmen der Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" bundesweit für den Umstieg geworben. Vom 1. Mai bis 31. August sind Berufstätige und Studenten aufgerufen, sich an mindestens 20 Tagen für den Arbeits- oder den Weg zum Hörsaal in den Sattel zu schwingen. 2018 hatten sich 250.000 Menschen beteiligt und auf 49,5 Millionen Kilometern in die Pedale getreten statt aufs Gas. Die Distanz hätte nach Angaben der Organisatoren einen Kohlendioxidausstoß von 9,7 Millionen Kilo verursacht.


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