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29.04.2019, 15:36 Uhr KOMMENTAR

Einbürgerung erschlichen: Kein Skandal

Ein Kommentar von Stefanie Witte


Einige neu Eingebürgerte mussten ihre Pässe wieder zurückgeben. Foto: Stephan Jansen/dpaEinige neu Eingebürgerte mussten ihre Pässe wieder zurückgeben. Foto: Stephan Jansen/dpa
Stephan Jansen

Osnabrück. Kurz vor der Europawahl dürfte diese Nachricht ein gefundenes Fressen für Rechtspopulisten sein: 300 deutsche Neubürger mussten ihren Pass wieder abgeben, weil sie sich die Staatsbürgerschaft erschlichen hatten. Skandalisieren kann diese vermeintlich hohe Zahl aber nur, wer den Kontext ausblendet.

So handelt es sich zwar um etwa 300 Fälle, in denen Ausländer in erster Linie falsche Angaben zu ihrer Identität gemacht haben. Das fiel unter anderem deswegen auf, weil sich die Betroffenen später selbst um eine Korrektur dieser Angaben bemühten. Die rund 300 Fälle verteilen sich jedoch auf zehn Jahre. Und im Verhältnis zu allein rund 112000 Einbürgerungen im Jahr 2017 ist das ein verschwindend geringer Anteil. 

Ähnlich lief es im vermeintlichen Bremer Bamf-Skandal. Tausende Asylanträge seien zu Unrecht positiv beschieden worden, hieß es da. Staatsversagen, marodes Asylsystem – die Wellen der Empörung schlugen hoch. Mittlerweile geht es nur noch um rund 50 Verdachtsfälle. Sicher – das wären immer noch 50 Fälle zu viel. Aber selbst damit läge die Quote der Fehlentscheidungen in Bremen bei 0,9 Prozent – und damit 0,3 Prozent unter der bundesweiten Quote. Es lohnt sich also, Zahlen ins Verhältnis zu setzen und Ermittlungen abzuwarten, statt vorschnell zu urteilen.


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