Heftige Kritik der Grünen Essen wir bald Crispr-Weizen? Klöckner wirbt für genverändertes Saatgut

Von afp und lod

Anhaltende Dürre schmälert die Ernte. Mittels Gentechnik könnte man resistentere Sorten züchten. Doch Gen-Produkte essen wollen die wenigsten Deutschen. Foto: imago images/Arnulf HettrichAnhaltende Dürre schmälert die Ernte. Mittels Gentechnik könnte man resistentere Sorten züchten. Doch Gen-Produkte essen wollen die wenigsten Deutschen. Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Berlin. Moderne Gentechnik soll die Landwirtschaft revolutionieren – in den USA sichert sie in Feldversuchen große Erträge. Auch in Deutschland sollen genveränderte Samen auf den Acker, meint Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wirbt für den stärkeren Einsatz von genverändertem Saatgut in der Landwirtschaft. Angesichts einer weltweiten Verknappung von Nahrungsmitteln "können wir es uns nicht leisten, den technologischen Fortschritt außer acht zu lassen", sagte Klöckner den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Kritik an dieser Darstellung kam von den Grünen.

Konkret sprach sich die CDU-Politikerin für das sogenannte Crispr-Verfahren aus, das auch als "Genschere" bezeichnet wird. Damit "kann man das Erbgut von Pflanzen gezielter und schneller positiv beeinflussen, als das durch klassische Züchtung geht", sagte Klöckner. Im Ergebnis sei beides nicht zu unterscheiden. "Es geht um Erntesicherung und den Einsatz von weniger Pflanzenschutzmitteln."

EU schreibt für Crispr-Erzeugnisse Kennzeichnung vor

Befürworter des Crispr-Verfahrens argumentieren, dass hier lediglich schneller und einfacher Ergebnisse erzielt werden könnten, die von traditionellen Züchtungsergebnissen im Nachhinein nicht zu unterscheiden sind. Der Europäische Gerichtshof hat dagegen die Crispr-Methode klar als Gentechnik eingestuft. "Mit diesem Urteil müssen wir umgehen", äußerte sich Klöckner zu diesem Richterspruch distanziert.

Anfang April hatte die UN-Welternährungsorganisation (FAO) mitgeteilt, dass die Getreideernte weltweit in diesem Jahr den Bedarf nicht decken könne. Eine Verknappung bei Getreideprodukten wird wegen gut gefüllter Lager jedoch vorerst nicht befürchtet. Klöckner verwies auf Ernteausfälle durch Folgen der Erderwärmung. "Wir brauchen Pflanzen, die resistent sind gegen Wetterkapriolen und Klimawandel", forderte die Ministerin.

Agrarexperte: Klimaargument ist Unsinn

Scharfe Kritik an Klöckner übte der Grünen-Europaabgeordnete und Agrarexperte Martin Häusling. Er warf der Ministerin im Internetdienst Twitter vor, "Nebelkerzen der Gentech-Industrie" zu verbreiten. Es sei "Unsinn", dass nach dem Crispr-Verfahren gentechnisch behandelte Pflanzen die Landwirtschaft klimafreundlicher machen würden.

Bauernverband plädiert für Gentechnik

In Deutschland gibt es genveränderte Lebensmittel bislang nur ganz vereinzelt zu kaufen. Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher lehne sie ab, begründet das der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. 

Der Deutsche Bauernverband befürwortet die moderne Züchtungsoption. Er erhofft sich beispielsweise Pflanzen, die gegen Krankheitserreger oder Hitze resistenter sind. In den USA gibt es beispielsweise eine Kartoffel, deren Lagerfähigkeit mit der Crispr-Methode verbessert wurde.


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