Studie zur Altersgrenze Forscher: Spätere Rente trifft die Schwächsten am stärksten

Rentner in Berlin.  Foto: Silas Stein/dpaRentner in Berlin. Foto: Silas Stein/dpa

Osnabrück. Die in den kommenden Jahren schrittweise auf 67 Jahre steigende Altersgrenze birgt einer neuen Studie zufolge erhebliche Armutsrisiken. „Die spätere Rente trifft die Schwächsten am härtesten“, fasst DIW-Rentenexperte Johannes Geyer das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

Laut dem  Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist das Risiko, nicht bis zur regulären Altersgrenze durchzuhalten und deshalb Rentenabschläge hinnehmen zu müssen, für Beschäftigte mit mittlerem und niedrigem Bildungsabschluss spürbar höher als für Arbeitnehmer mit höherer Bildung. „Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen“, sagt DIW-Experte Geyer.  

Das Alter, in dem Versicherte ohne die sonst drohenden Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat in Rente gehen können, wird seit 2012 schrittweise erhöht. Es liegt aktuell bei 65 Jahren und acht. Monaten. Bis zum Jahr 2029 steigt es auf dann 67 Jahre. Viele Beschäftigte gehen allerdings vor der regulären Altersgrenze in den Ruhestand. 2017 lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,1 Jahren. Bei höher gebildeten Menschen wird sich diese Grenze laut Prognose des DIW bis zum Jahr 2032 um bis zu zwei Jahre verschieben, bei weniger Gebildeten nur um bis zu 1,4 Jahre.

Weniger gebildete Menschen sind zudem häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen und zahlen deshalb weniger in die Rentenversicherung ein – mit teils gravierende Folgen. „Wer heutzutage aus mindestens zweijähriger Erwerbslosigkeit in die Rente wechselt, verfügt im Schnitt über ein zehn Prozent geringeres Haushaltseinkommen als diejenigen, die bis zum Renteneintritt erwerbstätig sind“, so das DIW.

Der Sozialverband VdK warnt mit Blick auf die Studie davor, das Renteneintrittsalter noch weiter anzuheben. „Eine Rente mit 70 darf es nicht geben", sagte Präsidentin Verena Bentele. Linke-Chef Bernd Riexinger betonte, Altenpfleger oder Verkäuferinnen könnten nach vielen Beitragsjahren bei einer Verrentung vor dem offiziellen Eintrittsalter von ihrer Rente nicht leben. Nötig sei, das Eintrittsalter auf 65 zu senken. Zusätzlich seien Zeiten von Erwerbslosigkeit, Kindererziehung und Pflege besser abzusichern.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) fordert, die Anhebung der Altersgrenzen müsse nachhaltig flankiert werden. „Die Rahmenbedingungen sollten weiter verbessert werden, damit die Menschen auch zukünftig länger und gesünder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können“, erklärte DRV-Sprecher Dirk von der Heide auf Anfrage unserer Redaktion. Er betonte, die Rentenversicherung unterstütze die Menschen hierbei mit beruflichen und medizinischen Leistungen der Rehabilitation. Auch biete die Rentenversicherung Präventivleistungen an. Von der Heide verwies zudem auf die Probleme der Langzeitarbeitslosen. „Hier sollte man überlegen, ob der Bund wieder die Zahlung der Rentenversicherungsbeiträge übernimmt.“

Der Anteil der versicherungspflichtig Beschäftigten im Alter zwischen 60 und 64 Jahren ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, von 24 Prozent im Jahr 2010 auf 36 Prozent im Jahr 2016., so der Sprecher weiter. (mit dpa) 


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