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16.04.2019, 14:26 Uhr KOMMENTAR

Sterbehilfe: Kein Geschäft mit dem Tod

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Jeder muss irgendwann sterben. Doch wie genau kann ein selbstbestimmter, würdevoller Tod garantiert werden?  Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpaJeder muss irgendwann sterben. Doch wie genau kann ein selbstbestimmter, würdevoller Tod garantiert werden? Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Osnabrück. Gleich sechs Beschwerden gegen das Verbot der „geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung" muss das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe derzeit verhandeln. Die Kläger sehen ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben in Gefahr. Ist diese Sorge berechtigt? Ein Kommentar.

Es ist eine schwere Entscheidung, die die Karlsruher Richter treffen müssen, denn sie berührt Leben und Tod. Klar ist: Eine Gesellschaft muss ein selbstbestimmtes, würdevolles Sterben ermöglichen. Unter anderem deshalb wurde zum Beispiel das Ausfüllen von Patientenverfügungen bereits vor Jahren vereinfacht. Will ich künstlich am Leben gehalten werden oder nicht? Dies zu regeln ist wichtig.

Doch was ist, wenn ein kranker Mensch im wahren Wortsinn seines Lebens müde ist? Auch der Wunsch nach dem Tod ist legitim. Paragraf 217, ein Kompromiss, dem intensive Debatten vorausgingen, verbietet Ärzten nicht, Suizidbeihilfe zu leisten. Er verbietet aber, daraus ein Geschäft zu machen. Es ist ein guter Kompromiss.

Denn wer sucht, findet die Geschäftemacher. Ein Blick in die Satzung des ebenfalls gegen den Paragrafen 217 klagenden Vereins „Sterbehilfe Deutschland“ offenbart: Unter Schlagworten wie „Selbstbestimmung bis zum letzten Atemzug“ steckt keineswegs reine Selbstlosigkeit. 7000 Euro kostet der „Mitgliedsbeitrag“ jene, die schnellstmöglich einen „begleiteten Suizid“ wünschen. Zurzeit liegt dieses Tätigkeitsfeld auf Eis. Hoffentlich bleibt das so.

Niemand darf gezwungen werden, einen unnötig qualvollen Tod zu erleiden. Doch jeder, der versucht, aus der höchsten Not des Lebens ein Geschäft zu machen, muss gestoppt werden.


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