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15.04.2019, 18:00 Uhr DIESELSKANDAL BEI VW

Prozess gegen Winterkorn ist überfällig

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Ein Betrüger? Martin Winterkorn, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG. Foto: dpaEin Betrüger? Martin Winterkorn, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG. Foto: dpa

Osnabrück. Das war überfällig: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat im Dieselskandal Anklage gegen den früheren Volkswagen-Chef Martin Winterkorn erhoben. Was lange währt, wird hoffentlich zu einer gerechten Strafe führen. Ein Kommentar.

Folgt nun die gerechte Strafe? Wird jetzt auch Ex-VW-Chef Martin Winterkorn zur Rechenschaft gezogen für den Betrug an Millionen von Autokäufern im Diesel-Manipulationsskandal?

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Braunschweig kommt spät – dreieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Verdachts. Doch sie macht Hoffnung, dass individuelle Schuld geahndet wird. Die Kleinen tragen den Schaden, die Großen lässt man laufen – solche Befürchtungen werden sich wahrscheinlich nicht bewahrheiten. Denn der Skandal als solcher ist unbestreitbar nachdem VW und Audi bereits Bußgelder gezahlt haben.

 Zudem wiegt die Beweislast schwer. 75000 Seiten belastendes Material hat die Staatsanwaltschaft zusammengetragen. Hinzu kommt: Winterkorn galt als perfektionistisch, technisch höchst versiert und machtbewusst. Sogar einen Machtpoker mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat er gewonnen. Es ist kaum vorstellbar, dass  solch einem Mann über Jahre nichts aufgefallen oder bekannt geworden sein soll.

Natürlich gilt auch für Winterkorn bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung. Auch ist ein langer Prozess zu erwarten. Doch besteht jetzt wenigstens Aussicht auf das überfällige juristische Nachspiel und auf ein bisschen Genugtuung – wenn den betrogenen Käufern in Deutschland schon ihr Schaden nicht ersetzt wird. 


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